Murdered: Soul Suspect

Murdered: Soul Suspect

Publisher: Square Enix
Entwicklerstudio: Airtight Games
Genre: Adventure
Sub-Genre: Detektiv-Adventure
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 06.06.2014
USK 16

Murdered: Soul Suspect   18.06.2014 von GloansBunny

Kriminalisten haben es nicht leicht, zumindest wenn es um knifflige Mordfälle geht. Einen ganz besonderen Fall liefert nun Square Enix, bei dem Ronan O'Connor einen sehr speziellen Mord aufklären muss: nämlich seinen eigenen. Ist Murdered: Soul Suspect ein Jahrhundertfall oder simpler Zeitungsdiebstahl? GloansBunny hat ihren Fall schon gelöst ...

 

Ronan O'Connor gilt als das schwarze Schaf des Salem Police Department. Vehement verweigert er es, seine Uniform zu tragen, Dienst nach Vorschrift zu leisten und das Rauchen sein zu lassen. Die Kollegen schieben alles auf die schwierige Vergangenheit des vorbestraften O'Connors, der als Kind auf der Straße aufgewachsen und von der Gesellschaft verstoßen wurde, seine Frau bei einem tragischen Unfall verlor und sich nach und nach sozial isolierte. Übersät mit Tattoos und getrieben vom Drang nach Vergeltung stürzte sich O'Connor fortan in seine Arbeit als Ermittler des Morddezernates. Als O'Connor eines Abends mitten in einen Raubüberfall gerät, soll sich sein trostloses Dasein schlagartig ändern, denn das Raubein wird selbst zum Opfer. Mit sieben Einschusslöchern mehr in der Brust und einem Leben weniger wandelt Ronan von diesem Zeitpunkt an als hüllenloser Geist durch Salem. Unsichtbar für die Lebenden, aber sichtbar für böse Dämonen und ruhelose Geister findet sich der Ermittler in einer Zwischenwelt wieder, samt übernatürlichen Fähigkeiten und zahllosen Geheimnissen. Seine einzige Chance, die Dimension der Dämmerung zu verlassen, ist die Aufklärung seines eigenen Mordes. Getrieben von Rachegefühlen und seinem Sinn für Gerechtigkeit tut Ronan nun das, was er am besten kann: ermitteln, verhören und kombinieren. Doch das, was O'Connor in den Tiefen der Geisterwelt entdecken soll, wird zum Grenzweg an die Abgründe der eigenen Seele. Grausame Schicksale, abscheuliche Dämonen und eine schockierende, finstere Wahrheit sind nicht die einzigen Gefahren, die dort auf den Untoten warten. Aber zumindest darf O'Connor dort ungeniert rauchen ...

 

Steuerung und Sound: Klug kombiniert, geschickt taktiert, Fall gelöst ...


Das Controllerlayout von Murdered: Soul Suspect ist intuitiv und dank integriertem Tutorial schnell erlernt. Die Analogsticks reagieren direkt und präzise auf die eingegebenen Bewegungs- und Kamerarichtungen, während die Aktionstasten das Alter Ego interagieren, Fälle abschließen und kombinieren lassen. Auf den Schultertasten liegen Spezialmanöver wie etwa die Geisterfähigkeiten und Rennen verborgen. Neulinge wie Veteranen können sofort und ohne Komplikationen mit der gut strukturierten Controllersteuerung arbeiten. Lediglich PC-Spieler werden bei den gelegentlichen Quicktime-Events etwas Probleme haben, da die Tastenkombinationen schnelles Umgreifen erfordern. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau und verschmälert den positiven Gesamteindruck der Steuerung nur minimal.

 

Die Soundkulisse von O'Connors Abenteuer ist herrlich düster und transportiert den Geisterflair stimmungsvoll zum Spielerohr. Die im Hintergrund vernehmbaren Orchesterstücke sorgen für eine angenehme Mystery-Atmosphäre, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Besonders positiv fällt die hervorragende deutsche Sprachausgabe auf, die zwar nicht immer exakt dem Wortlaut der eingeblendeten Untertitel entspricht oder stellenweise zu spät einsetzt, dafür aber umso authentischer und stimmiger vertont wurde.

 

Grafik, Gameplay und Umfang: Freispruch für Next Gen, Adventure schuldig im Sinne der Anklage ...


Auch wenn Square Enix Murdered: Soul Suspect mit der nächsten Generation wirbt, so entpuppt sich das Spiel schnell als "Mischwesen", welches zwar gestochen scharfe Texturen und eine stabile Framerate aufweist, aber dennoch "nur" von der inzwischen etwas veralteten Unreal 3-Engine angetrieben wird. Die Kulisse der Stadt Salem erhält durch die vielen Blau- und Grautöne sowie stimmungsvolle Nebeleffekte der Geisterwelt einen einzigartig mysteriösen Touch und strotzt gerade innerhalb der Gebäude nur so vor Details. Egal ob unordentliche Studentenwohnung, strukturiertes Polizeirevier oder pompöse Kirche: jedes Areal ist ein Hingucker. Vom winzigen Familienfoto bis zum gewaltigen Altar ist alles vorhanden und trotz Blaulastigkeit immer einen Blick wert. Abwechslung im Kulissendesign wird bei Murdered: Soul Suspect ganz groß geschrieben. Da kann man dem Spiel die etwas kantigen Figurenmodelle und die nicht immer ganz lippensynchronen Zwischensequenzen wahrlich verzeihen.

 

Bildergalerie von Murdered: Soul Suspect (18 Bilder)

Die Bezeichnung "Action-Adventure" trifft nicht ganz exakt auf Murdered: Soul Suspect zu, da sich die Gameplay-Waage des Spiels deutlich zur Abenteuerseite lehnt. Alter Ego O'Connor wandelt als Geist durch die düstere, atmosphärische Stadt Salem, deren halboffenes Leveldesign das Betreten festgelegter Gebäude und Areale erlaubt. Dabei trifft O'Connor immer wieder auf andere Geister, denen er mehr oder weniger freundlich seine Hilfe anbietet, indem er deren Schicksale aufklären muss. Diese Nebenaufgaben laufen meist analog zu den Hauptmissionen ab: den Ort des Geschehens betreten, bestimmte Hinweise in Form von Fotos, Akten und Gegenständen aufspüren und schließlich via Multiple-Choice-Prinzip die Frage nach dem "Wer", "Warum" oder "Wann" klären. Zack, Fall gelöst, wobei die geforderten Antworten auf den ersten Blick nicht immer ganz schlüssig erscheinen. Das System ist dabei immer gleich und variiert nur in Anzahl, Aussehen und Ort der Hinweise, was dem Spiel einen etwas abwechslungsarmen Ersteindruck verleiht, der aber durch den spannenden und wendungsreichen Storyplot wieder an Fahrt gewinnt. Aufgefrischt wird das Gameplay durch zahlreiche Sammelgegenstände, die zusammengefügt in hübschen Zwischensequenzen Rückblicke in die Ereignisse zulassen und so den Charakteren und der Story Tiefe verleihen und ganz nebenbei den Reiz an den Sidequests erhöhen. So will beispielsweise der Ablauf eines tragischen Autounfalls geklärt werden, bei dem der betrunkene Fahrer mit seinen Schuldgefühlen ans Herz geht oder der Selbstmord einer unglücklich Verliebten ans Tageslicht gebracht werden. Spannend, auf wie viele unterschiedliche Charaktere und Schicksale O'Connor im Laufe der Spielzeit trifft! Dass die sporadisch erteilten Wertungen der benötigten Lösungsversuche in Form von Dienstmarken dabei keine Auswirkungen auf das spielerische Ende haben fällt dabei kaum ins Gewicht.

 

Was wäre ein Geist ohne seine typischen Fähigkeiten wie etwa durch Wände gehen oder Spukattacken? Richtig, alles, aber kein Geist, und so bleiben auch dem untoten Detective diese Möglichkeiten nicht vorenthalten. Wo in den Außenbereichen O'Connor nur an bestimmten, durch Flimmern und Schatten markierten Stellen durch Mauerwerk und Gegenstände hindurchgleiten kann, sind dem Alter Ego innerhalb der Gebäude kaum Grenzen gesetzt. So wechselt der Detective die Räume so mühelos wie unsereins die Unterhosen, wandelt dank Parallelwelt spielerisch durch Schuttcontainer, Schreibtische und Co. und trifft so auf viele NPCs, die meist mit alltäglichen Dingen beschäftigt sind. Um Langeweile im Gameplay zu vermeiden, darf der für Lebende unsichtbare O'Connor jederzeit in den Körper fremder Menschen schlüpfen, um dort deren Gedanken zu lauschen, Dinge zu manipulieren, die er als Geist nicht selbst bewegen kann oder um wertvolle Dialoge mit weiteren Personen zu beginnen. Bis auf wenige Ausnahmen sind die nun Besessenen allerdings zum Stillstand verdammt, lediglich im Körper einer frisch besetzten Katze darf der Spieler selbst Hand an die Bewegungsmuster legen. Diese bestehen meist aus kurzen, simplen Kletter- und Sprungpassagen, die O'Connors Geist an abgelegene Orte mit diversen Sammelgegenständen führen.

 

Spektakulärer und mächtiger fühlen sich da schon die Fähigkeiten Manipulation, Poltergeist und Teleportation an, die mit fortschreitendem Spielverlauf automatisch ins Repertoire von Alter Ego Ronan wandern. So darf der Geist zum Beispiel in der Parallelwelt befindliche Gegenstände entfernen, ausgraben oder neu anordnen, um sich neue Laufwege zu schaffen oder Hinweise zu erhalten. Als Poltergeist manipuliert der Unsichtbare real existierende Dinge wie Drucker, Getränkeautomaten und Telefone, um Polizisten und Dämonen abzulenken, die ihm oder einem Medium gefährlich werden könnten. Die Teleport-Fähigkeit erlangt O'Connor erst später im Storyverlauf und dient dem schnellen Fortbewegen innerhalb eines bestimmten Radius, was ihn wiederum an geheime Verstecke und an Dämonen vorbei lotst. Apropos "Dämonen": diese ungemütlichen Gesellen sind rar gesät und eigentlich kaum der Rede wert. Zwar trachten diese boshaften Kreaturen Ronan stets nach seiner Seele, wirklich gefährlich werden sie aber nie. Bei einem der seltenen Treffen zwischen Detektiv und Dämon heißt es, die streng linearen Wege des Feindes auszuspionieren, sich von hinten anschleichen und via simplem Quicktime-Event das Viech in die ewige Hölle verbannen. Die KI ist dabei eher primitiv, bei Entdeckung reicht es meist aus, sich in den zahlreich platzierten Tarnseelen zu verstecken und abzuwarten, bis einem der Dämon seinen hässlichen Rücken zudreht. Sollte man wiedererwartend den Kampf gegen ihn oder einer am Boden befindlichen Dämonenfalle verlieren, wird O'Connors Seele für immer ins Reich der Toten geschickt und das Spiel startet wieder am letzten Rücksetzpunkt. Die Autosave-Funktion arbeitet dabei zuverlässig, wenngleich die Ladeorte nicht immer ganz fair platziert sind.

 

Nach etwa 12 bis 15 Stunden Spielzeit findet das reine Singleplayer-Detektivabenteuer sein fulminantes und optisch toll inszeniertes Ende. Engagierte Trophäenjäger wagen dann einen weiteren Durchgang, um fehlenden Sammelgegenständen, ungelösten Nebenquests oder nicht entdeckten Arealen auf die Spur zu kommen. Der Wiederspielwert ist durch das Ausbleiben neuer Aufgaben oder relevanter Wertungen allerdings relativ gering, zumal die korrekte Lösung der einzelnen Fälle beim Neustart schnell wieder ins Spielergedächtnis zurückkehrt. Nichts desto trotz fesselt Mudered: Soul Suspect mit seinem ruhigen Spielverlauf, der grandiosen Atmosphäre und der spannenden Story Genrefans für ein regnerisches Wochenende gekonnt an den Bildschirm. Wer L.A. Noir und Heavy Rain mochte, wird mit Murdered: Soul Suspect auch seine Freude haben.


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Murdered: Soul Suspect hat mich damals schon angesprochen, als die ersten Trailer auf dem virtuellen Marktplatz zu sehen waren und musste logischerweise unbedingt auf meiner XBox One landen. Auch wenn die Bezeichnung "Action-Adventure" etwas irreführend ist (die "Action" kann man nämlich an einer Hand abzählen!), so wurde ich dennoch nicht enttäuscht. Die spannende Story um den verstorbenen Detective O'Connor, der seinen eigenen Mord aufklären muss, um seine Seele zu retten, die einprägsamen Charaktere und die phänomenalen Synchronsprecher haben mich ebenso an den Bildschirm gefesselt wie die schöne, stimmige Mystery-Atmosphäre. Kombiniert mit den toll ins Spiel integrierten Geisterfähigkeiten, den abwechslungsreichen Fällen und den zahllosen, herrlich detaillierten Kulissen entpuppt sich Square Enix Machwerk als Geheimtipp für Fans von L.A. Noir und Heavy Rain. Lediglich der immer gleiche Gameplayablauf, die nicht immer schlüssigen Multiple-Choice-Lösungen und kleinere Fehler bei den Untertiteln stoßen etwas sauer auf.

 

Murdered: Soul Suspect ist ein leichtes bis mittelschweres, spannendes und optisch wie atmosphärisch ansprechendes Detektiv-Abenteuer voller Geheimnisse und für gemütliche Konsolen-Ermittler bestens geeignet. Ein wirklich gelungenes Nischenspiel, welches die zeitliche Lücke zwischen L.A. Noir und NextGen endlich schließt. Danke, Square Enix, für 12 bis 15 Stunden detektivisches Spielehandwerk!


Die letzten Artikel der Redakteurin:


positiv negativ
  • Tolle Mischung aus Geister- und Realwelt
  • Klasse Mystery-Atmosphäre, abwechslungsreiche Kulissen
  • Einprägsame Charaktere, fesselnde Story
  • Spassiges, rugiges Gameplay mit speziellen Geisterfähigkeiten
  • Cineastische deutsche Sprachausgabe
  • Viele Sammelgegenstände und Geheimnisse in der halboffenen Spielwelt
  • Zahllose ungelöste Fälle warten auf detektivische Aufklärung
  • Nebenmissionen mit eigenen Geschichten
  • Wenig Abwechslung im Gameplay (Fall-Lösung)
  • Untertitel und Sprachausgabe oftmals unterschiedlich
  • Grafik nicht auf Next-Gen-Niveau, kantige Figurenmodelle
  • Multiple-Choice-Lösungen nicht immer schlüssig





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