Stung

Stung

Originaltitel: Stung
Genre: Horror • Komödie
Regie: Benni Diez
Hauptdarsteller: Jessica Cook
Laufzeit: DVD (84 Min) • BD (87 Min)
Label: WVG
FSK 16

Stung   27.02.2016 von Mario von Czapiewski

Immer wieder die alte Leier: Der deutsche Horrorfilm sei tot bzw. war noch nie lebendig. Doch das Jahr 2015 belehrte uns in einer erstaunliche Masse eines Besseren. Nach hochwertigen Horrorfilmen wie German Angst, Die Präsenz oder True Love Ways erschien eine deutsch-amerikanische Co-Produktion namens Stung in den deutschen Kinos, welche nun ihren Weg auf DVD und Blu-ray findet.

 

Eine vornehme Gartenparty ufert zu einem blutigen Massaker aus, als mutierte Wespen alle beteiligten Gäste attackieren. Die wenigen Überlebenden des ersten Angriffs stellen sich nun der Bedrohung und kämpfen gegen die inzwischen drastisch gewachsenen Bienen-Bestien.

 

Während die deutsche Amateurszene mit Trashfilmen überhaupt kein Problem hat, tun sich die meist im Förderfilmbereich arbeitenden Profis mit Trashthematiken gerne schwer. Stung ist nun der Versuch das Tierhorrorkino der fünfziger bis siebziger Jahre wieder in neuem Gewand aufleben zu lassen. Leider gelingt dies nur auf ganz wenigen Ebenen, denn Stung ist trotz zahlreicher amerikanischer Darsteller immer noch weitgehend eine merklich deutsche Produktion und das wirklich nicht im positiven Sinne.

 

Doch zuerst zu den gelungenen Aspekten des Films, denn technisch ist der Film sauber und Kino-würdig abgedreht und vor allem die teilweise handgemachten Spezialeffekte und Monsterkreaturen überzeugen bzw. erfüllen den Anspruch des Films perfekt. Auch die weitgehend englisch-sprachigen Darsteller können überzeugen und schaffen es aus dem mageren Drehbuch das größtmögliche Unterhaltungspotenzial herauszuholen.

 

Leider enden hier jedoch bereits die positiven Momente des Films, denn schon nach der sehr frühen, ersten Bienen-Attacke wird deutlich, dass man sich offensichtlich überhaupt nicht einig war, wohin man den Film ausrichten möchte. Von allem gibt es ein bisschen – ein wenig Splatter hier, ein paar Witzchen, dann wird alles wieder ganz ernst und plötzlich passiert eine Zeitlang gar nichts mehr. Ganz offensichtlich traute man sich nicht, sich brachial für eine Richtung zu entscheiden (eine leider sehr deutsche Eigenschaft) und somit wird jeder Bereich freundlich angeteasert, doch niemals vollständig ausformuliert.

 

Des Weiteren sind im Gegensatz zu den sehr guten handgemachten Spezialeffekten, die CGI-Effekte nur mittelprächtig und reißen den Zuschauer immer wieder aus der Illusion des Films. Auch der sehr begrenzte Drehort schreit die ganze Zeit „günstig“ und bietet kaum optische Abwechslung. So ist die Diskrepanz zwischen Kino-reifer Filmtechnik und inhaltlicher Direct-To-Video-Konzeption immer so groß, dass man meistens das Gefühl hat für eine Kinoproduktion zu wenig zu bekommen.

 

Ein zusätzlicher Punkt sind die eingesetzten deutschen Schauspieler, die ohne Mühe auch ohne Bekanntheit sofort als solche zu identifizieren sind. Das deutliche Theater-artige Overacting ist schon nach der ersten Silbe merklich und schafft wieder eine starke Diskrepanz zu den soliden amerikanischen Schauspieler.

 

Wer jetzt glaubt, dass zumindest die Handlung bei Laune halten kann, der täuscht. Hier hat man sich deutlich an die Vorgaben der Originale gehalten und bietet kaum relevanten Unterhaltungsstoff. Hier wären mehr Epik, mehr Mut und eine klarere Entscheidung zwischen knallhartem Horrorthriller oder unterhaltender Splattercomedy wünschenswert gewesen.

 

Bildergalerie von Stung (10 Bilder)

Die Blu-ray bietet eine saubere Bildqualität und eine gute deutsche Synchronisation zusätzlich zum englischen Originalton. Das Bonusmaterial beinhaltet Interviews, ein Making Of und Outtakes. Leider besitzt die Blu-ray kein Wendecover.


Das Fazit von: Mario von Czapiewski

Mario von Czapiewski

 

Stung ist zwar kein Totalausfall, aber ein Beispiel für einen Film, der zwar versucht aus der deutsche Langeweile-Tradition auszubrechen, aber wie in Ketten gelegt nicht besonders weit damit kommt. Technisch größtenteils solide, erhält man hier einen merkwürdigen Horror/Splatter/Comedy/Drama-B-Movie, der jedoch keinen Fan von irgendeinem der Bestandteile besonders befriedigen dürfte.


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