The War Is Not Funny, Sir!

The War Is Not Funny, Sir!

Originaltitel: The Wipers Times
Genre: Krieg • Tragikomödie
Regie: Andy De Emmony
Hauptdarsteller: Ben Chaplin • Patrick FitzSymons • Julian Rhind-Tutt
Laufzeit: DVD (92 Min)
Label: Polyband
FSK 12

The War Is Not Funny, Sir!   30.10.2016 von LorD Avenger

Belgien, 1916: Als Captain Roberts (Ben Chaplin) seine Einheit durch die zerbombte Stadt Ypres führt, stoßen sie in den Ruinen auf eine alte, noch intakte, Druckerpresse. Spontan beschließen die Männer, eine Zeitung für britische Soldaten an der Front herauszugeben. Sie nennen diese nach dem Ort, in dem sie die Druckerpresse gefunden haben: Ypres, von den Briten ausgesprochen "Wipers", also "The Wipers Times". Gegen alle Widrigkeiten des Generalstabs, der Ziel des bissigen Humors ist, wie auch der Deutschen, die bei einem Angriff die Druckerpresse zerstören, schaffen es Roberts und seine Männer, die Zeitung bis Kriegsende zu produzieren.

 

Ein sehr anderer Kriegsfilm aus einer sehr anderen Perspektive. Nicht nur wandern wir von den gewohnten Deutschen oder Amerikanern zu den feinen Briten, wir entfernen uns auch von den meisten Kampfhandlungen in einen Bunker, wo eine tapfere Einheit ihren Humor noch nicht verloren hat und die Moral der anderen mit einer Satire-Zeitung hochhalten möchte. In der Zeit von Postillion sehen wir beinahe täglich, wie einfach es geht, selbst den schlimmsten und ernstesten Themen eine lustige Seite zu geben. Basierend auf einer wahren Begebenheit wurde "The Wipers Times" tatsächlich während des ersten Weltkrieges von Soldaten produziert, die zufällig eine Druckerpresse entdeckten.

 

Der Film ist an sich eher arm an Handlung, beginnt mit dem Fund der Druckerpresse und anschließend beschäftigt er sich konstant mit dem Finden von Ideen für lustige Artikel. Seien es wenig schmackhafte Rationen oder widersinnige Befehle, die Soldaten des zwölften Batalions verwandelten alles gekonnt und mit einer gehörigen Portion Niveau in eine Lachnummer. Nicht alle hochrangigen Militärs sind ebenso begeistert wie die Fußsoldaten an der Front, aber immerhin General Mitford kann lachen - besetzt von Monty Pythons Michael Palin, der trotz einer kurzen Gastrolle natürlich triumphierend auf dem Cover posiert. Auch der Humor versucht sich an der britischen Komikertruppe zu orientieren, schafft dies allerdings mal besser und mal schlechter. Immerhin schön umgesetzt sind die "Vorlesungen" der humorbepackten Zeitungsartikel. Anstatt sie tatsächlich einfach nur vorzulesen werden sie wie kleine Theaterstücke in Schwarzweiß aufgeführt, passend zum Tenor des Schreibstils. Die Umsetzung hier gefällt mir ausgesprochen gut, manchmal ist es aber auch etwas dick aufgetragen. Abgesehen davon, dass viele Gags sicher eher gezündet hätten, wenn man mit seinen Kameraden im Schützengraben gesessen hätte. Inzwischen zünden bei unserer Generation ja kaum noch Gags aus den 80ern - diese hier sind satte 100 Jahre alt. Die beiden Protagonisten, gespielt von Ben Chaplin und Julian Rhind-Tutt, sind aber ausgesprochen sympathisch und gleichen dieses Defizit mit ihrer lockeren humorvollen Art wieder aus.

 

Man muss sich übrigens auch keine Sorgen über eine Verharmlosung des Kriegsthemas machen. Ja, Kampfhandlungen werden - sicher auch aus Budgetgründen aufgrund der TV-Produktion - nicht gezeigt, finden aber statt und ebenso wird gestorben. Nicht minder ernst oder gar dramatisch wird es beispielsweise, wenn die Deutschen ihr Giftgas einsetzen, aber das Besondere an diesem Film und seinen Figuren ist eben, dass sie sich immer wieder aufraffen und das Blatt wenden - buchstäblich. Sie sehen, dass ihre Zeitung wichtig ist, dass sie Wirkung hat und Hoffnung spendet. Definitiv also eine Kriegsgeschichte, die anders ist, aber auch eine die zeigt, dass ein Captain Roberts nicht weniger Aufmerksamkeit verdient als ein Captain Miller (Der Soldat James Ryan).


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Nicht alle, wenn nicht sogar die seltensten Gags zünden heutzutage noch so, wie sie es vor einem Jahrhundert getan haben. Stattdessen schafft der Film es aber mit einer gelungenen Grundstimmung und sympathischen Darstellern immerhin einige der verloren Punkte wieder aufzuholen. Der Film spielt auf engem Raum und nicht zuletzt auch dadurch merkt man ihm das magere Budget an, gleichzeitig verleiht es der ganzen Handlung aber ebenso Authentizität und gibt einem ein Gefühl dafür, wie das reale zwölfte Batalion damals unter Beschuss und Bombardierung ihre Zeitung produziert hat. Auch das Vorlesen der Zeitungsartikel wurde clever in Szene gesetzt, obgleich hier das Gag-Zünden-Problem besonders auftritt. Allein für die Aufmachung, die Darsteller, die Stimmung und dafür, dass es mal ein ganz anderer Kriegsfilm ist, verdient The War Is Not Funny, Sir zumindest einen Blick von Interessierten.


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