Dirt 4

Dirt 4

Publisher: Koch Media
Entwicklerstudio: Codemasters
Genre: Sport
Sub-Genre: Rennspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 09.06.2017
USK 0

Dirt 4   10.06.2017 von Torsten

Noch vor knapp drei Monaten hatten wir die VR-Edition von Dirt Rally im Test, da kommt auch schon der nächste Codemasters-Titel, in diesem Fall sogar „echte“ Serienteil um die Ecke. Denn Dirt Rally war ein Spin-Off der Serie, wenn auch ein sehr guter und nicht mit dem enttäuschenden Dirt Showdown zu vergleichen. Reicht da die geringe Zeit, um wirklich etwas Eigenständiges zu erschaffen, oder wird sich Codemasters lediglich des Gerüsts eines Dirt Rally bedienen? Nun, die Antwort liegt irgendwo dazwischen, aber lest selbst.

 

Simulator oder Fun-Racer?

 

Dirt Rally (Hier geht es zum Test) war ein beinharter Simulationsaspirant, der mit einem mitunter frustrierend hohen Anspruch zum Biss ins eigene Lenkrad verleitete. Dirt 3 (Hier geht es zum Test), aus dem Jahre 2011, war hingegen mehr ein Renner für die sogenannte Spaßfraktion, die sich in zahlreichen Disziplinen kurzweiliger Unterhaltung hingaben, ohne vorab Streckenverläufe zu büffeln oder sich über Fahrzeug-Setups Gedanken zu machen. Und wenn wir nun Dirt 4 nehmen, so liegen die Wurzeln eher beim Rally-Spinoff, denn beim direkten Gymkhana-Vorgänger. Im direkten Vergleich sind zu den Spielvarianten von Dirt Rally mit Landrush (gab es schon in Dirt 3) gerade einmal eine einzige Spielvariante hinzugekommen. Ansonsten gibt es noch die bereits bekannten Rally- und Rallycross-Varian­­­ten, die sich einzeln oder in der Karriere spielen lassen und eine aufgebohrte Variante der Fahrschule. In dieser so betitelten Dirt-Akademie lässt sich in einzelnen Disziplinen haarklein erlernen, wie man zum Beispiel am besten den Lastwechsel oder die Handbremse für schnelle Kurven nutzt, wann ein Drift zum Einsatz kommen sollte, oder wie auf unterschiedliche Bodenbeläge zu reagieren ist. Wer alle Strecken bereits im Schlaf beherrschen sollte, der darf sich dieses Mal gerne mit dem Streckengenerator eigene, prozedural berechnete Kurse erstellen lassen.

 

Das zugrunde liegende Fahrmodell ist etwas breiter als noch beim Serien-Spinoff ausgelegt. Hier werden Einsteiger mit Controller in der Hand genauso gut wie puristische Lenkrad-Ruderer mit Benzin im Blut bedient. Der Schwierigkeitsgrad kann von „Gamer“ über „Racer“ bis hin zu „Profi“ nach Belieben feingetuned werden. Wer mag, der darf sich also ins gleiche, enge Rennkorsett wie in Dirt Rally schnallen lassen und selbst Scheinwerfer und Scheibenwischer auf Tastendruck manuell bedienen. Im Test kam ein Thrustmaster T300 RS Lenkrad inklusive manueller H-Schaltung und Kupplungspedal im Rennsitz zum Einsatz. Und wer schon einmal einen Rally-Simulator mit manueller Schaltung gefahren ist, der weiß, dass regelmäßige Pausen dann nicht nur sinnvoll, sondern geradezu unerlässlich sind. Hier macht Dirt 4 fast alles richtig und bietet endlich auch eine bessere Unterstützung des Force Feedbacks an, wenngleich die Streckenlöcher ruhig noch etwas härter am Lenkrad zerren dürften. Einzig der fehlende VR-Support lässt ein tränendes Auge zurück. Aber dieser wird hoffentlich recht bald – und dann vermutlich wieder kostenpflichtig – nachgereicht. Die Entscheidung über die Implementierung der VR-Brille wollte Codemasters ja angeblich anhand des Erfolges der Dirt VR Edition bemessen. Da sich eben diese nicht so gut wie erhofft verkauft hat ist hier wohl noch nicht das letzte Wort gesprochen.

 

Bildergalerie von Dirt 4 (7 Bilder)

Der Karrieremodus und Online

 

Die Karriere erstreckt sich über frei wählbare „Disziplinen“ und darf je nach Gusto im Bereich Rally, Rallycross oder Landrush bestritten werden. Anfangs sind natürlich wieder nur die Rally-Grundlagen frei wählbar. Aber nach bereits kurzer Spielzeit lassen sich die übrigen Modi, sowie zusätzliche Fahrzeuge freischalten. Anders als noch in der unnötig schwerfälligen Dirt Rally-Karriere geht hier das Freischalten und Aufleveln deutlich leichter und vor allem schneller von der Hand. Neben der Renn-Variante lassen sich auch Fahrzeug-Upgrades freischalten, Sponsoren und sogar eine komplette Renn-Crew auswählen. Das alles passt hervorragend zusammen und motiviert zu längeren Spielzeiten, die zudem eine größere Abwechslungsspanne bieten. Vor allem die staubigen Landrush-Rundkurse bieten mit ihren Heck- und Allradgetriebenen Buggys und Trucks deutlich mehr Abwechslung und Spaß als noch die – zudem zuletzt zu schweren – Rallycross-Runden. Gerade RC-Offroad-Fans werden sich über die feinfühlige und liebevolle Simulation ihrer geliebten Dirt Buggys und Short Course Trucks freuen.

 

DirT 4 bietet natürlich auch einige Online-Variationen und Ranglisten. Zum Zeitpunkt unseres Tests waren die Server des Racenets allerdings noch nicht online, sodass hier kein Urteil erfolgen kann. Bleibt zu hoffen, dass Codemasters den etwas zickigen Netzwerkcode des Racenets im Griff haben wird, was natürlich nur für die wenigen Spielanteile mit aktiven Mitstreitern von Bedeutung ist und somit an der Wertung auch nichts mehr ändern würde.

 

Technischer Gleichstand

 

Optisch bewegt sich Dirt 4 auf einem vergleichsweisen, wenn natürlich auch hohen, Niveau wie schon Dirt Rally. Die Fahrzeuge sind hervorragend umgesetzt und mit vielen liebevollen Details versehen. Die Zuschauer und Gebäude abseits der Strecke sind allerdings weniger gut gestaltet. Diese Limitierung mag zugunsten einer flüssigen Bildrate entstanden, aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass beim Rally-Sport wirklich keine Zeit für einen Blick in das Umfeld übrig bleibt. Die Effekte sind wiederum hochklassig. Durchdrehende Reifen wirbeln Steine und Staub auf, was gerade in den Landrush-Rennen mit vorausfahrenden KI-Mitstreitern zu starken Sichteinschränkungen führt. Beim Durchfahren von Wassersenken muss zwingend der Scheibenwischer betätigt werden, weil sonst durch die regennasse Windschutzscheibe ein Blindflug folgt. Das alles ist auf derart hohem Niveau ausgearbeitet, dass die fehlende Steigerung im Vergleich zum Vorgänger sofort verschmerzbar wirkt.

 

Der Sound ist etwas schmissiger als noch beim Rally-Vorreiter und passt hervorragend zu den Replays der actiongeladenen Fahrten. Motorengeräusche klingen glaubwürdig, das Knattern, Knallen und Röhren von Getriebe und Auspuff sowie das Quietschen der verdreckten Bremsscheiben ist kaum besser wiederzugeben.

 

Das Spiel wurde auf der PS 4 Pro getestet. Etwaige Unterschiede zu anderen Versionen wurden nicht berücksichtigt.


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Dirt 4 ist nicht wirklich konsequent und baut auf das – zugegeben sehr gute – Grundgerüst von Dirt Rally auf, ohne dabei herausstechende, eigene Akzente zu setzen. Ein geringerer Spielumfang als der Vorgänger, die gerade für Einsteiger interessante Rückspulfunktion fehlt, im Vergleich zu Dirt Rally wenig eigenständiges. Und doch vergehen immer sofort etliche Spielstunden in meinem Rennsitz, bevor ich dem realen Leben wieder eine Chance geben kann. Denn Dirt 4 punktet mit dem stärksten Karrieremodus der langjährigen Serie und motiviert ungemein durch zahlreiche Upgrades, Sponsoren- und Teamverhandlungen, freigeschaltete oder gekaufte Fahrzeuge und abwechslungsreiche Spielmodi. Rally-Puristen werden noch immer bei Dirt Rally glücklich, eine spaßige Affäre mit Dirt 4 kann allerdings aufgrund der Artenähnlichkeit nicht schaden. Alle anderen Rennbegeisterten sollten sich definitiv einmal Dirt 4 anschauen, denn hier werden Einsteiger wie Profis gleichermaßen gut bedient. 


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