Fight Night Champion

Fight Night Champion

Publisher: EA Sports
Entwicklerstudio: EA Canada
Genre: Sportspiel
Sub-Genre: Box-Simulation
Art: Vollpreistitel
Erscheinungsdatum: 03.03.2011
USK 16

Fight Night Champion   30.03.2011 von DeWerni

Zwei Jahre nach dem Erscheinen des letzten Titels bringt EA Sports den nächsten Titel der Serie – Fight Night Champion. Dabei wurden einige Sachen verändert und umkonstruiert. Ob sich von der Neuausgabe Simulationsfans und auch Anfänger begeistern lassen, könnt Ihr natürlich in unserem Bericht nachlesen…

 

Als ich erfuhr, dass eine neue Ausgabe von Fight Night erscheinen soll, war ich schon sehr gespannt darauf. Der letzte Titel sorgte auf der einen Seite für viel Lob, auf der anderen aber auch für sehr viel Kritik. Was man an dieser Stelle schon einmal vorweg nehmen kann ist die Tatsache, dass sich die Entwickler den Problemen gestellt haben, was man vor allem auch an dem Umbau der Steuerung gut erkennen kann. Ob sie sie gelöst haben, könnt Ihr im Laufe des Berichts erfahren. Der Umfang des Games ist auf jeden Fall schon einmal gigantisch. Dies betrifft zum einen die beteiligen Kämpfer, deren Anzahl bei über 50 realen Kämpfern liegt, zum andern aber auch die zehn Kampfarenen und gerade die integrierten Spielmodi, die von dem neuen  Champions-Modus über den typischen Karriere-Modus bis hin zu diversen Spielvarianten im Multiplayerbereich geht. So, jetzt aber mal zum eigentlichen Geschehen zurück, nichts wie ab mit dem Spiel in die Konsole.

Kinoreifer Champions-Modus

Was ich da in den ersten Minuten gesehen hatte, das hätte ich nicht erwartet. Man steigt als Andre Bishop mitten in einer Sequenz in einem Boxkampf ein, in der man ordentlich einen eingeschenkt bekommt, nur noch Sterne vor den Augen sieht und nicht mehr weiß, wo man sich befindet. Vor Euch kniet anscheinend Euer Trainer, der Euch mitteilt, dass Euer Gegner Euch mit einem Kopfstoss im Ring ausgeknockt hat. Dass Ihr Euch aber im Gefängnis befindet, interessiert diesen Regelverstoß keinen. Ihr rappelt Euch auf und dürft von nun an selbst das Ruder in die Hand nehmen, sprich den Gegner vermöbeln. Mit einiger Mühe gewinnt man dann den Kampf auch noch. Danach trottet Ihr überglücklich in die Kabine, doch dort wartet bereits Euer unfairer Gegner mit einigen Kumpels auf Euch und schlägt Euch krankenhausreif. Ihr wacht wiederum in Eurer Zelle auf, der Zellenkumpane ist auch gleichzeitig der Trainer. Er meint, Ihr solltet froh darüber sein, dass Ihr überhaupt noch am Leben seid. Doch wie konnte das alles überhaupt so weit kommen? Ihr wart doch einst einmal ein so hoffnungsvolles Boxtalent, das eine steile Karriere vor sich hatte…

Rückblende und Beginn der eigentlichen Handlung sind gleichzeitig zehn Jahre zuvor. Bei einem Amateur-Boxevent dürft Ihr Euer Können unter Beweis stellen und den ersten richtigen Kampf gewinnen. Von da an nimmt die Story seinen Lauf. Sie ist wirklich imposant inszeniert und macht eine Menge Spaß. So kämpft Ihr Euch von Gegner zu Gegner, trainiert, wiedersteht Intrigen, werdet von korrupten Promotern angeworben und müsst und wollt Euch trotz allem bis zur Krone des Boxolymps – dem Weltmeisterschaftstitel – durchkämpfen. Außerdem taucht Ihr auch in den integrierten Sportsendungen auf, die immer wieder zwischendurch abgespielt werden. Neu ist die Idee des Story-Modus sicherlich nicht, Spaß macht sie trotzdem, vor allem weil sie einfach gut umgesetzt ist und mit einer klasse Atmosphäre aufwarten kann.

Außer diesem neuen Champions-Modus könnt Ihr natürlich auch im Single-Player-Bereich auf weitere Modi zurückgreifen. Neben den typischen Schaukämpfen, bei denen Ihr mit beliebigen Boxern gegen einen menschlichen oder den computergesteuerten Gegner antreten könnt, ist auch wie in der letzten Version ein Karriere-Modus enthalten. Leider muss man aber gleich darauf hinweisen, dass daran so gut wie keine Änderungen vorgenommen wurden. Das heißt, Ihr  erstellt Euch einen individuellen Kämpfer, weißt ihn einer Gewichtsklasse zu und stattet ihn mit diversen Boxutensilien, wie Handschuhen, Box-Shorts, Jacken und ähnlichem aus. Dann startet Ihr auf einem relativ niedrigen Skill-Niveau. Das könnt Ihr durch hartes trainieren und Sparringskämpfe Stück für Stück verbessern. Von da an heißt es immer trainieren für den Kampf, den Kampf gewinnen und anschließend eine Runde erholen. Irgendwann bekommt Ihr dann auch die Chance, um den angestrebten Weltmeistertitel zu kämpfen. Das Ganze hört sich vom Prinzip her nicht sehr spektakulär an, ist aber wirklich spannend, fordernd und sehr umfangreich. Gerade das angesprochene Upgradesystem ist sehr ausgereift und bietet alle wünschenswerten Möglichkeiten. Wie gesagt, Neuigkeiten findet man kaum, aber warum auch ein ausgereiftes System verschlimmbessern?!

Taktisches Geplänkel?! – Nein, Danke
Um auf die eingangs erwähnte Steuerung zurück zu kommen, vom Grunde hat man wieder die Wahl zwischen der Sticksteuerung und der Ausführung der Schlagkombinationen per Tastendruck. Etwas weniger komplex ist die Steuerung auf jeden Fall trotzdem, so wurde beispielsweise das Deckungssystem vereinfacht. Mit der feinfühligen Sticksteuerung hat man zudem mehr Möglichkeiten als mit einer Handvoll Knöpfe, was das Game aber auch gerade für Einsteiger deutlich zugänglicher macht. Dabei steuert man praktisch den linken Arm mit Bewegungen nach links, den rechten Arm analog mit Bewegungen nach rechts. Wenn man den Stick nach oben bewegt, werden eher gerade Schläge mit der Führhand ausgeführt. In Kombination mit der rechten Schultertaste kann man die Schlagkraft der Schläge deutlich erhöhen, was aber auf Kosten der Ausdauer geht. Auch wenn die vereinfachte Steuerung das taktische Vorgehen etwas aus den Kämpfen genommen hat, so muss man trotz allem darauf achten, nicht zu blind und ungedeckt auf den Gegner zuzustürmen und mit einem Schlaghagel die komplette Energie zu verschwenden. Mit der linken Schultertaste und der Bewegung des linken Sticks bleibt man im Übrigen auf einer Stelle stehen und kann den Angriffen des Gegners durch geschickte Bewegungen des Oberkörpers ausweichen. So sind die Kämpfe insgesamt deutlich spektakulärer, es kommt auch hin und wieder zu einem offenen Schlagabtausch. Ganz wie bei realen Boxkämpfen kann übrigens ein Schlag im richtigen Moment über Sieg und Niederlage entscheiden. So kann es durchaus sein, dass Ihr Euch schon am Rande einer Niederlage wähnt und dann den „Lucky Punch“ genau im richtigen Moment doch noch ins Ziel bringen könnt und der Gegner KO geht. Genauso geht das aber auch andersrum, wenn Ihr Euch des Sieges einen Moment zu sicher seid. So entwickeln sich spannende Kämpfe, die auf jeden Fall in allen Modi fordernd sind, zu einfach sind die Computergegner auch in den einfacheren Schwierigkeitsgraden nicht zu schlagen. Davon stehen Euch im Übrigen vier zur Auswahl, da sollte für jeden Spielertypen etwas dabei sein. Solltet Ihr einmal selbst zu Boden gehen, was sicherlich nicht aus bleibt, so müsst Ihr mit dem linken Stick eine Anzeige im Lot halten, während Ihr mit dem rechten Stick aufstehen könnt. Das ist zwar nicht neu, aber passend. Außerdem wird es mit der Dauer eines Kampfes immer schwieriger, diese Art Minispiel zu meistern.

Umfangreiche Multiplayermodi

An dieser Stelle noch ein paar Worte zu den verfügbaren Onlinemodi. Doch zunächst ein Hinweis auf den (leider) mittlerweile typischen Nachteil bei den Sportspielen von EA – den zum Online spielen benötigten Onlinepass. Dieser ist bei Neuspielen enthalten, beim Verkauf des gebrauchten Spiels muss ein Neubesitzer allerdings einen neuen erwerben. Schade, dass sich diese Unart für ein Spiel, das sowieso um die 60€ kostet, verbreitet hat. Trotz allem bietet Fight Night eine Menge Online-Content an. So kann man natürlich einfach gegen andere menschliche Spieler in einzelnen Kämpfen antreten, online Weltmeisterschaften austragen, Preisboxen ausführen oder sich sogenannten Online-Gyms anschließen. Diese sind auf jeden Fall etwas Besonderes und Neues, denn hier kann man sich mit insgesamt bis zu 32 Spielern zu einer Art virtuellem Boxstall zusammenschließen, intern Meisterschaften ausboxen oder sich in Kämpfen mit anderen Gyms messen. Eine nette Idee, die sicherlich ihren Reiz hat. Man sieht also, dass man für den kostenpflichtigen Onlinepass im Gegenzug auch Einiges geboten bekommt.

Grafik und Sound
Von der Präsentation des Spiels kann man eigentlich kaum mehr erwarten.  Im Vergleich zur vorherigen Version sehen die Kämpfer viel realer aus. Abgesehen von der Optik alleine, sind auch die Effekte sehr gut umgesetzt. Wenn man einem Gegner permanent mit einem rechten Haken aufs linke Auge haut, so erkennt man nach einiger Zeit auch die Wirkung: Das Auge schwillt zu und eventuell entsteht sogar ein Cut. So muss es sein. Beim Fight an sich spritzt auch der Schweiß bei den Schlägen durch die Luft, genauso wie es auch zu blutigen Spritzern kommen kann, die das Gesicht teilweise komplett bedecken. Hier hat man also durchaus an der realitätsnahen  Optik gefeilt. Aber auch die Kämpfe an sich sehen von den Bewegungen her wesentlich flüssiger aus und der Wirklichkeit viel näher. Abgesehen davon ist auch der Einlauf in die Kampfarena verbessert worden, genauso wie der Siegesjubel und die Ringpausen. Einziges Manko sind die Fans in den Arenen, diese sehen gerade im Hintergrund teilweise ein wenig matschig aus. Da man sich aber meist auf den Kampf im Ring konzentrieren muss, ist das nicht ganz so relevant. Der Sound kann auch auf hohem Niveau mithalten. Die englischen Kommentatoren machen ihre Arbeit gut und zeigen sogar Emotionen, genau wie auch das Publikum.  Insgesamt schafft es EA mit der technischen Realisierung eine großartige Boxkampfatmosphäre zu schaffen. Man fühlt sich schon ein wenig mittendrin.


Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

Mit Fight Night Champion gelingt EA Sports mal wieder eine richtig gelungene Box-Simulation, die für jeden Spieler etwas zu bieten hat. Vor allem auch Einsteiger werden sich mit der vereinfachten Steuerung leicht tun. Darunter hat dann aber das Spiel etwas an Tiefe und taktischer Komponente verloren. Nichtsdestotrotz wird so viel Umfang geboten, dass alle Gamer auf ihre Kosten bringen. Das Highlight im Single-Player-Bereich stellt dabei sicherlich der kinoreife Champions-Modus dar, da fühlt man sich wie im ersten Rocky-Film. Aber auch die Onlinemodi lassen so gut wie keine Wünsche offen, es werden zahlreiche Spielvarianten angeboten und sogar dir Möglichkeit zur Gründung eines virtuellen Boxstalls gegeben. Fans der Serie und des Boxsports im Allgemeinen sollten an dieser Stelle unbedingt zuschlagen, aber auch Neueinsteiger und Interessierte werden sicherlich mit einem Kauf nichts falsch machen.


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positiv negativ
  • Einfache Steuerung…
  • Sehr schöner Storymodus
  • Passende Präsentation
  • Über 50 integrierte Boxlegenden
  • Gute Onlinemodi
  • …mit geringer Spieltiefe
  • Kaum noch Taktikkomponenten
  • Englische Sprachausgabe
  • Benötigter Pass zum Online zocken





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