Grand Slam Tennis 2

Grand Slam Tennis 2

Publisher: Electronic Arts
Entwicklerstudio: EA Sports
Genre: Sportspiel
Sub-Genre: Tennis-Simulation
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 09.02.2012
USK 0

Grand Slam Tennis 2   23.03.2012 von DeWerni

Nachdem EA vor zwei Jahren ins Tennisgeschäft mit dem ersten Teil von "Grand Slam Tennis" auf der Wii eingestiegen ist, wird der zweite Teil nun nur auf den Konsolen von Microsoft und Sony veröffentlicht. Wir haben die Simulation für Euch unter die Lupe genommen und berichten, ob der Einstieg mit Konkurrenztitel wie Top Spin 4 mithalten kann …

40:30 für Becker – Matchball – die Anspannung auf allen Seiten ist greifbar! Boris schlägt auf – Kevin Curren streckt sich und trotzdem – Ass! Rundherum tobt eine Menge Zuschauer auf den Rängen in Wimbledon. Irgendwie erinnert einen die Szene an 1985, als Boris Becker als bisher jüngster Sieger in Wimbledon den heiligen Rasen am 7. Juli wieder verließ. Diese spannenden, packenden Momente mögen Electronic Arts und deren Entwickler dazu veranlasst haben, ebenfalls in das Genre der Tennissimulationen vorzustoßen. Während vor zwei Jahren mit dem ersten Teil der Grand Slam Tennis-Serie noch der Fokus auf die Casual-Gamer der Nintendo Wii gelegt wurde, rücken nun Casual- und Core-Gamer der Konkurrenzprodukte von Sony und Microsoft in den Vordergrund. Interessant hierbei ist, dass man nun den gegensätzlichen Weg gewählt hat, indem die Wii vom Release ausgeschlossen wurde. Besitzer der PlayStation 3 dürfen das Game mit Unterstützung des Move-Motion-Controllers angehen. Eigentümer der Xbox 360 sind hingegen auf den herkömmlichen Controller angewiesen.

Sticksteuerung – Innovation oder Unmöglichkeit

Im Menü werden im Single-Player-Bereich diverse Modi angeboten. Zudem gibt es die typischen einzelnen Spiele im Einzel oder Doppel, bei denen bis zu vier Spieler an einer Konsole antreten können. Ferner stehen der Karrieremodus, das Trainingscamp, ein Turniermodus und die ESPN Grand Slam Classics zur Verfügung. Im Turniermodus ist es möglich, Turniere mit bis zu vier menschlichen und insgesamt bis zu 128 Spielern in einem beliebigen Modus zu erstellen. Bevor ihr euch in die Jagd nach dem Tennisthron stürzt, solltet ihr euch im Trainingscamp mit der auf den ersten Blick schwer zugänglichen, aber dennoch innovativen Steuerung vertraut machen. Dabei gibt es für alle Arten an Schlägen eine eigene Übungseinheit mit wiederrum diversen – in der Regel vier – Aufgaben.

Die neue Steuerung verspricht die volle Schlägerkontrolle und hat sich an Vorbildern aus der NHL-Reihe orientiert. Analog dazu steuert Ihr mit dem linken Stick die Laufwege des Spielers, während Ihr mit dem rechten Stick komplett die Bewegungen des Schlägers übernehmt. Button Mashing ist hier also total out. Prinzipiell muss der Stick einfach in die Richtung des Schlags bewegt werden: Soll der Ball in die rechte hintere Hälfte des Feldes gespielt werden, muss der Stick nach rechts oben bewegt werden und umgekehrt. Wenn demgegenüber ein Topspin gespielt werden soll, muss zudem „ausgeholt“ werden, indem der Stick vor dem Schlag in die entgegengesetzte Richtung bewegt wird. Für den Slice verzichtet der Spieler auf die Vorwärtsbewegung und holt nur aus, was diesem defensiven Schlag eher entspricht. Aber auch Timing und Geschwindigkeit spielen bei der Ausführung eine wichtige Rolle. Bei einer langsamen Schlagbewegung wird der Ball langsam und eher weit gespielt. Für Angriffsschläge muss hingegen eine schnellere Bewegung erfolgen. Volleys funktionieren nach dem gleichen Prinzip, genau wie auch beim Stoppball und beim Lob, bei denen jeweils eine Schultertaste mitgedrückt werden muss. Das Ganze klingt ganz schön komplex, ist es im ersten Moment auch. Mit der Zeit gewöhnt Ihr Euch aber daran. Mit diesem Ansatz fährt EA recht gut und unterscheidet sich von den anderen Genregrößen. Nichtsdestotrotz stellt sich das Gefühl der totalen Schlägerkontrolle nicht ein, dazu sind die Abläufe dann doch zu extrem geskriptet. Potenzial für die Zukunft für Verbesserungen in dieser Hinsicht ist aber sicher vorhanden.

Ungeachtet dessen wirkt das Spielgeschehen der einzelnen Ballwechsel etwas zu statisch und wenig abwechslungsreich. Bei einem Spiel mit zwei etwa gleichstarken Gegnern gleichen die Ballwechsel oft dem klassischen Pong-Spiel, bei dem geübte Spieler kaum am anderen vorbeikamen. Mit ein wenig Übung und nicht gerade dem schlechtesten Spieler retourniert Ihr jeden Ball zurück. Fehler geschehen sowieso ganz selten. Insgesamt halten sich die Abwechslung und die Herausforderung in Grenzen.

 

 

Der harte Weg zum Tennisolymp
Nach gemeistertem Tenniscamp steht der eigenen Karriere nichts mehr im Weg. Im ersten Schritt ist dafür ein eigener Spieler zu erstellen. Hierfür steht der mittlerweile typische Editor zur Verfügung, mit dem sich zahllose Einstellungen zur Anpassung des Aussehens ganz nach Belieben variieren lassen. Dann geht es direkt auch schon los.  Von diesem Moment an gilt es, sich für bis zu zehn Jahre durch die Karriere zu kämpfen, um den Tennisthron schließlich zu erklimmen. Eine Saison ist dabei immer gleich aufgebaut und besteht aus vier Abschnitten. Diese drehen sich jeweils hauptsächlich um das entsprechende Grand-Slam-Turnier der jeweiligen Jahreszeit. Vor dem „eigentlichen“ Turnier ist es möglich, jeweils zwei von drei Aktionen durchzuführen: Training, Showmatch bzw. Vorbereitungsturnier. Mit dem Training könnt Ihr die eigenen Eigenschaften stückweise verbessern. Durch einen Sieg im Showmatch erhaltet Ihr Zugang zu Equipment und Bekleidung, wodurch sich die eigenen Eigenschaften Eures Spielers verbessern. Bei einem Vorbereitungsturnier hingegen könnt Ihr Punkte sammeln, um in der Weltrangliste nach oben zu klettern.  In jedem Spiel ist es möglich, auf der einen Seite Punkte für die Rangliste zu sammeln, indem der Gegner bezwungen oder bis zu zwei spezielle Ziele erfüllt werden. Für die Erfüllung dieser speziellen Ziele sind beispielsweise 5 Vorhandwinner oder 3 Asse während der Partie zu schlagen. So kämpft Ihr euch Turnier für Turnier und Saison für Saison durch, um eines Tages den Grand Slam (Gewinn aller vier Grand-Slam-Turniere innerhalb eines Kalenderjahres) zu gewinnen und um die Spitze der Weltrangliste zu erklimmen.

Die Karriere hat zwar nette Ansatzpunkte, ist aber nicht wirklich gelungen. Das liegt vor allem daran, dass sich die Abläufe innerhalb einer Saison oder auch saisonübergreifend immer wieder ähneln. Das wirkt irgendwann eintönig und damit auch langweilig. Diese wurde gerade in der Karriere, die normalerweise langzeitmotivierend sein soll, ein wenig stiefmütterlich behandelt. Die eingespielten Wiederholungen während eines Matches sind zwar anfangs ganz imposant, nerven aber mit der Zeit. Leider ist die Karriere dann auch noch extrem leicht ausgefallen. Vor dem ersten Grand-Slam-Turnier in Melbourne bei den Australian Open wirken die großen Tennisnamen noch einschüchternd. Nach kurzer Zeit aber werdet Ihr bemerken, dass diese schon als Tennisfrischling ohne größere Probleme schlagbar sind. Warum muss dann also die Karriere zehn Jahre dauern? OK, die Entwicklung des eigenen Spielers ist wichtig. Das gilt dann aber wohl nicht für die Karriere, sondern nur für den Onlinemodus. Bei diesem kann im Übrigen der eigene Spieler hochgeladen und anderen zur Verwendung angeboten werden. Im Gegenzug ist es möglich, andere Spieler herunterzuladen. Die Karriere besitzt zwar gute Ansätze, die Umsetzung lässt jedoch zu wünschen übrig. Wenigstens gibt es in jedem Jahr und für die gesamte Karriere noch so etwas wie Meilensteinziele, die zusätzliche Punkte bei Erreichen einbringen und zu etwas Mühe animieren.

Klassiker – Gänsehaut pur

Besser, spannender und vor allem mit mehr Charme und Atmosphäre sind da schon die ESPN Grand Slam Classics. Im Grunde handelt es sich hier um einzelne Herausforderungen, die bestimmte Spielsituationen der Tennishistorie nachstellen. Und diese haben den Namen dann auch verdient. In diesen Herausforderungen wird der Spieler mit einem Match der Tennisgeschichte konfrontiert, wobei ein bestimmter Spielstand vorgegeben ist. So ist es beispielsweise möglich, das legendäre Wimbledon-Finale von 1989 zwischen Boris Becker und Stefan Edberg oder das unvergessene Finale der US Open von 1984 zwischen Martina Navratilova und Chris Everts nachzuspielen. Solche und ähnliche sportliche Highlights wird man zumindest als Fan des Sports mit Begeisterung nachspielen wollen. Die Matches sind zudem in vier Gruppen nach Jahrzehnten unterteilt: 2000er-, 1990er-, 1980er-, 1970er-Jahre. Zudem gibt es noch Fantasiematches. Ihr beginnt mit den Matches des aktuellen Jahrtausends und könnt durch Meisterung der Aufgabe sowie von Zusatzzielen Punkte sammeln. So werden schrittweise die nächsthöheren Gruppen freigeschaltet und die sportliche Zeitreise vorangetrieben. Endlich gelingt es EA in diesem Modus, den Tennisfan wirklich zu begeistern und an den Bildschirm zu fesseln. Habt Ihr einmal einen Klassiker gemeistert, steht er fortan zudem für komplette Spiele bereit, die Ihr auch mit anderen menschlichen Spielern spielen könnt.

An dieser Stelle noch ein paar Worte zum Multiplayermodus. An einer Konsole können bis zu vier Spieler zocken, aber auch online wird es einiges geboten. Hier gibt es die typischen einzelnen Ranglistenspiele, inklusive der einsehbaren Bestenlisten, oder die Möglichkeit, an Turnieren mit bis zu 128 Mitspielern teilzunehmen und über das Web zu messen. Wer also offline und allein vor der Konsole eine richtige Herausforderung vermisst, der wird sie mit Sicherheit online finden. Da sind einige Stunden Spielspaß garantiert, vor allem wenn Ihr Freunde habt, mit denen Ihr Euch permanent messen könnt.

Greift das Tennisfieber um sich ?!
An Sporttitel aus der Schmiede von EA Sports stellen Benutzer von der technischen Seite her immer die höchsten Erwartungen, die in den allermeisten Fällen auch erfüllt werden. Bei Grand Slam Tennis 2 erhaltet Ihr eine saubere, detaillierte Grafik. Es fehlt aber irgendwie diese typische, mitreißende Atmosphäre, mit denen EA bei anderen Sporttiteln punkten kann. Die Originalschauplätze der vier Grand Slam-Turniere sind zwar sauber und originalgetreu in das Spiel integriert, es fehlt aber das gewisse Etwas. Die Spielermodelle sind sehr gut umgesetzt, einzig solche Effekte, wie der entstehende Schweiß während eines Spiels, fehlen. Sehr gut getroffen wurden die Bewegungsabläufe der vorhandenen bekannten Spieler. So eindeutig und typisch wurden die individuellen Bewegungsabläufe eingebaut.

Weniger gut gelungen ist die Soundumsetzung. Die Zuschauer jubeln zwar und gehen vereinzelt bei den Ballwechseln mit, irgendwie klingt das Ganze aber eher gelangweilt als aufgeregt. Außerdem gibt es dann auch wieder schöne, lange Ballwechsel, an deren Ende Totenstille herrscht. Für die bei EA-Titeln typischen Kommentare konnten die zwei Tennishochkaräter John McEnroe und Pat Cash gewonnen werden. Wer aber nun auf fachkundige und intelligente Kommentare zur richtigen Zeit hofft, wird enttäuscht. Das Geschwafel wiederholt sich oft und vereinzelte Aussagen wurden einfach nicht synchron zum Spielgeschehen platziert. Jeder Winner ist „unbelievable“ und ob es Sinn macht, Netzangriffe zu starten, wird während eines Matches schon mehrfach ausdiskutiert. Damit kommen wir auch schon zum nächsten Nachteil des Kommentars: Dieser ist im Gegensatz zum restlichen, lokalisierten Spiel komplett in Englisch gehalten. Von der technischen Sicht gibt es also genügend Verbesserungspotenzial, da sollte sich EA von Details der Top Spin-Reihe doch noch so einiges abschauen.

Bezüglich des Spielumfangs gibt es an dieser Stelle aber noch einen positiven Hinweis: Denn zum einen bietet das Game die exklusive Integration von Wimbledon, zum anderen werden gut 20 aktuelle Spieler (Novak Đoković, Rafael Nadal, Roger Federer usw.) und aus der Tennisvergangenheit (Boris Becker, Stefan Edberg, John McEnroe, Björn Borg usw.) als Gegner und zum Übernehmen während eines Matches angeboten!

 


Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

Insgesamt gesehen hat „Grand Slam Tennis 2“ einige Vor- und Nachteile gegenüber der Konkurrenz zu bieten, es kommt allerdings nicht ganz an die Qualitäten eines „Top Spin 4“ heran. Innovativ und sicher ausbaufähig ist der Steuerungspart, der sehr gute Ansätze aufweist, die das Spiel und zukünftige Nachfolger sicher interessanter machen werden. Auch die Bewegungsabläufe der einzelnen Spieler sowie der Spielumfang sind gelungen. Technisch und vom Spielablauf her hinkt das Game jedoch etwas. Die Spieler sehen zwar originalgetreu aus, doch es fehlen die äußeren Einflüsse wie Schweiß und dergleichen. Außerdem wirkt das Spielgeschehen zu statisch und nahezu perfektionistisch schon vom ersten Schlag der Karriere an. Das Spiel ist zwar ein gelungener Einstieg für EA in den Bereich der Tennissimulationen. Es ist jedoch noch genügend Potenzial für Verbesserungen zukünftiger Titel vorhanden.


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positiv negativ
  • Geschmeidige, spielerspezifische Bewegungsabläufe
  • Innovative Steuerung…
  • Abwechslungsreicher Herausforderungsmodus (Klassiker)
  • Etwa 20 originale aktuelle Tennisstarsund aus der Vergangenheit
  • Originalschauplätze
  • Integrierte Grand-Slam-Turniere
  • Überzeugender Onlinemodus
  • Statisches Spielgeschehen
  • …die zu wenig ausgenutzt wird
  • Eintöniger Karrieremodus
  • Nervende, englische Kommentatoren
  • Kaum aufkeimende Atmosphäre
  • Fehlende Kinect-Unterstützung





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