Heroes Over Europe

Heroes Over Europe

Publisher: Ubisoft
Entwicklerstudio: Transmission Games
Genre: Flug-Shooter
Art: Vollpreistitel
Erscheinungsdatum: 15.09.2009
USK 16

Heroes Over Europe   28.10.2009 von DeWerni

Es ist das Jahr 1939. Die deutsche Wehrmacht übernimmt und besetzt halb Europa. Dies können sich die alliierten Streitkräfte nicht gefallen lassen und setzen zur Befreiung an. Ihr dürft daran teilhaben und die Story aus der Sicht von drei verschiedenen Piloten nachspielen und das Schicksal Europas und der Piloten mitbestimmen…

In den letzten Jahren wurde das Genre rund um die Flugsimulation ja doch etwas vernachlässigt. Wenn man bedenkt, welche Massen es früher an Flug- und Ballerspielen gab, darunter auch so klangvolle und bekannte Titel wie „Aces of Europe“ – mit dem dieses Spiel trotz den ähnlichen Titels rein gar nichts gemein hat – oder „Battle over Britain“. Lediglich einige wenige Entwicklerteams kleinerer Publisher fütterten Genrefans in den letzten Jahren mit mehr oder weniger auffälligen Spielen.
In der letzten Zeit jedoch bekommt das Genre interessanterweise auch wieder prominenteren Zuwachs. Mit Tom Clancy’s HAWX und IL2-Sturmovik: Birds of Prey kamen vor gar nicht allzu langer Zeit zwei ähnliche Spiele auf den Markt. Heroes over Europe würde ich dabei aber eher mit HAWX vergleichen, es legt den Fokus eindeutig auf den Arcadeshooter und weniger auf die Flugzeugsimulation an sich, auch wenn es zeitlich natürlich ganz woanders ansetzt. Ihr seid also bei diesem Spiel mittendrin statt nur dabei im zweiten Weltkrieg und müsst als Teil der britischen Royal Air Force die Deutschen und ihre Wehrmacht aus verschiedenen Regionen Europas verdrängen. Der Umfang geht dabei – jedenfalls zahlenmäßig – in Ordnung. Die Kampagne erstreckt sich über insgesamt 16 Einzelmissionen, dabei dürft ihr zwischen über 40 verschiedenen Flugzeugen wählen, hinter deren Steuerknüppel ihr euch zur Missionserfüllung setzen könnt. Dabei handelt es sich meist um bekante Klassiker des zweiten Weltkriegs, wie beispielsweise die britischen Spitfire und Hurricane oder auch die deutsche Messerschmitt und viele weitere mehr. Teilweise handelt es sich bei den Fliegern aber nur um kleinere neue Untertypen, die einfach etwas bessere Eigenschaften in Panzerung, der Geschwindigkeit, der Wendigkeit oder der Bewaffnung haben.

Gameplay
Die Steuerung des Spiels ist relativ einfach gehalten. Zusätzlich ist die erste Mission der Kampagne eine Einführungsmission, in der ihr die wichtigsten Informationen zur Steuerung erfahrt, genaueres zur Kampagne bekommt ihr aber später mit. Zunächst eine wichtige Sache zur Kameraführung. Ihr seht euer Flugzeug in der 3rd-Person-Perspektive, bei der ihr das Flugzeug von leicht schräg hinten im Blick habt. In der Mitte des Bildschirms ist dann auch noch das Fadenkreuz integriert. Leider haben die Entwickler darauf verzichtet, einen Cockpitmodus mit anzubieten. Dies hätte auf jeden Fall etwas mehr Atmosphäre ins Spiel gebracht, allerdings fühlt ihr euch auch so schon mittendrin statt nur dabei. Es ist schon klasse umgesetzt, wie einem der Kugelhagel eines hinter euch fliegenden Flugzeugs um die Ohren pfeift.

Nochmal zurück zur Steuerung. Mit einem der Sticks auf dem Controller dürft ihr das Seitenruder steuern, mit dem anderen gebt ihr Gas bzw. fliegt langsamer. Außerdem habt ihr noch die Möglichkeit, einen so genannten, zeitlich begrenzten Extraschub zuzuschalten. Die Geschwindigkeit der Flieger spielt hier eine sehr wichtige Rolle. Fliegt ihr langsam, ist das Flugzeug wendiger und ihr könnt sehr enge Kurven fliegen, fliegt ihr schnell oder sogar mit dem Turbo, so könnt ihr einem Kugelhagel entgehen oder fliehende Gegner einholen. In eurem HUD habt ihr natürlich weitere Anzeigen, wie beispielsweise den Statusbalken eures Fliegers, der einer Lebensenergieleiste eines Shooters gleicht und Informationen über einen anvisierten Gegner (Fliegertyp und Entfernung) und zu beschützende Objekte (Statusbalken) zeigt.

Ein weiteres echt tolles Feature haben die Entwickler dann aber doch noch mit eingebaut, und zwar den so genannten „Ace Kill“, bei dem ihr euren Gegner meist mit einem Schusshagel erledigen könnt. Dazu müsst ihr das gegnerische Flugzeug ein wenig im Visier halten. Es lädt sich ein Balken auf, der sich ab der Hälfte per Knopfdruck in den Ace-Kill-Modus schalten lässt. Darin sehr ihr dann denn anvisierten Flieger aus der Nähe und müsst innerhalb einer vorgegebenen Zeit die Schwachstellen des Gegners anvisieren (beispielsweise Tanks, Raketen oder der Pilot selber), was nicht immer so leicht ist. Habt ihr eine Schwachstelle gefunden (das Visier verfärbt sich gelb), dann nichts wie losschießen. Wenn ihr die richtige Stelle erwischt, dann küsst der Flieger sogleich den Boden oder explodiert in einem Feuerball. Ansonsten beginnt er vielleicht auch nur zu brennen und ihr seid wieder in der normalen Ansicht. Übrigens desto länger ihr den Balken zu Beginn „aufladet“, desto mehr Zeit habt ihr im Ace-Kill-Modus, um die richtige Schwachstelle zu finden. Sehr tolles Feature, man hat ein wenig das Gefühl eines Scharfschützen.

Ein wenig schade finde ich die einfache Umsetzung des Schadensmodells. Dabei beginnt nach einigen Treffern der eigene Flieger zwar zu rauchen und schließlich auch zu brennen, was aber die Flugeigenschaften so gut wie gar nicht stört und einschränkt, ja der Flieger „erholt“ sich gar nach einiger Zeit ohne Treffer wieder (steigender Statusbalken). Naja, wie schon angesprochen fokussiert das Game eher die Arcadespieler, so dass man über diese Nebensächlichkeit hinwegsehen kann, es macht trotz allem einfach richtig Spaß!

Kampagne und Multiplayermodus
Die Kampagne stellt das Herz des Spiels dar. Dabei muss man zunächst einmal ein paar Worte über die etwas außergewöhnliche Präsentation verlieren. Jede der Missionen wird zunächst mit einem kleinen Film in schwarz-weiß Qualität, wie es zur Zeit des zweiten Weltkriegs der Stand der Technik war, eingeführt. Bei den gezeigten Aufnahmen handelt es sich sogar teilweise um Originalaufnahmen. So wird einem die aktuelle Kriegssituation geschildert. Der eigentliche Auftrag wird dann anhand einer bunten Animation erläutert. Außerdem bekommt man meist noch eine Art taktische Karte gezeigt, so dass man den Sinn der Mission auch besser versteht. Atmosphärisch ist das Ganze wirklich unglaublich gut und passend, vor allem weil auch die Sprachausgabe ein wenig verzerrt klingt, genauso wie die zu der Zeit übliche Audioqualität. Unterstützt wird die Atmosphäre während des eigentlichen Flugs auch noch mit authentisch klingenden Funksprüchen, von denen man leider des Öfteren im Eifer des Gefechts wenig mitbekommt.

Aber nun noch ein paar Informationen über die eigentliche Story. Wie euch nun mittlerweile klar sein sollte, ist Heroes over Europe während des zweiten Weltkriegs angesiedelt, genauer gesagt zu Beginn im Jahre 1939, in dem Jahr als die Deutschen Polen überrannten. Während der Kampagne übernehmt ihr insgesamt drei verschiedene Piloten, die jeweils ihren eigenen Hintergrund haben. Zum einen handelt es sich dabei um einen Amerikaner, der den Ruhmestaten seines Vaters aus dem ersten Weltkrieg nacheifert. Zum anderen um einen Engländer der versucht, aus der Armut in ein besseres Leben zu fliehen und zum dritten um einen Neuseeländer, der einfach nur wild darauf ist, überall seine Bomben abwerfen zu dürfen. Auch wenn das Missionsdesign naturgemäß meist in beliebigen Luftkämpfen endet, so haben die Entwickler doch versucht, ein wenig Abwechslung mit hineinzubringen. Ihr müsst also abgesehen von den typischen Missionen wie „Zerstöre diese Fliegereinheit!“ oder „Hole die Bomber vom
Himmel bevor sie XY erreichen!“ zum Beispiel strategisch wichtige Punkte beschützen – beispielsweise Funkantennen oder ein Rollfeld – oder auch mal ein paar Raketen oder Kreuzer vernichten, bevor sie größeres Unheil anrichten können. Außerdem bietet Heroes over Europe noch die spezielle Herausforderung der Bosskämpfe an. Diese Bosse tauchen hin und wieder auf – vor allem in Form von Geschwaderführern – und lassen sich nicht ganz so leicht ins Visier nehmen und zerstören wie die „normalen“ Flieger. Dies ist ein sehr schönes Feature, das eine gehobene Herausforderung und damit Zusatzmotivation anheizt.

Beim Online-Multiplayermodus haben sich die Entwickler leider nicht ganz so ins Zeug gelegt. Dabei ist Heroes over Europe lediglich mit den heutzutage Standardmodi ausgerüstet. Das heißt, ihr könnt euch mit insgesamt bis zu 15 weiteren menschlichen Gegnern messen, und das Ganze alleine oder im Team. Es sind also nur die beiden Deathmatch-Varianten integriert. Schade, denn da wäre durchaus mehr Potenzial da gewesen. Vor allem ein toller Koopmodus, wie er auch in Tom Glancy’s HAWX integriert ist, hätte dem Spiel sicherlich gut getan und die Dauermotivation länger hoch gehalten. Vor allem ist man ja eh meist nicht alleine, sondern im Geschwader unterwegs, so dass die geschichtliche Integration augenscheinlich kein Problem gewesen wäre. So hat man es aber bei den beiden angesprochenen Standardmodi belassen.

Grafik und Sound
Grafisch gesehen kann man Heroes over Europe mit zweierlei Maß messen. Zum einen ist die optische Umsetzung der Flieger sowie auch der Objekte am Boden sehr gut gelungen. Gerade wenn man beispielsweise über eine Stadt oder ein Dorf fliegt, sieht das Ganze schon beeindruckend aus. Betrachtet man sich allerdings die Landschaftstexturen auf dem Boden, so sehen diese doch teilweise ziemlich matschig aus, so ist beispielsweise eine Wiese einfach nur als grüne Fläche ohne weitere Details integriert. Schade, da haben die Entwickler auf jeden Fall Potential liegen lassen – wie leider auch bei der Darstellung des Wassers. Ein weiterer negativer Punkt sind gelegentliche Ruckler beim Überflug über gewisse Texturen. Sehr schön gelungen dagegen sind auch die Abschüsse gegnerischer Flieger mit der Rauchentwicklung und der abschließenden Explosion. Ein Kompliment auch für die soundtechnische Unterstützung. Der Kugelhagel hört sich richtig gut an, wie auch die Funksprüche oder die Soundeffekte und die musikalische Untermalung der Zwischensequenzen. Die deutsche Synchronisation wirkt jederzeit stimmig. Technisch und damit atmosphärisch ist das Spiel also größtenteils auf dem aktuellen Stand der Technik.

Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

Endlich mal wieder ein schöner Shooter, der in der Zeit des zweiten Weltkriegs angesiedelt ist. Gut, manche von Euch werden sagen: „Bäh, schon wieder“, aber Heroes over Europe schafft es, das Genre zu bereichern, auch wenn es einige Macken und nervige Details mit sich bringt. Wobei die schöne Grafik und die nette Präsentation der Story für Vieles entschädigen. Dabei wendet sich das Game eher an Shooterfans als an Flugakrobaten. Für mich ein echter Tipp, es macht einfach richtig Spaß – auch auf Dauer! Shooterfans aufgepasst, zuschlagen!


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positiv negativ
  • Sehr schöne, liebevolle Grafik
  • Nette Präsentation der Story und des Menüs
  • Viele freispielbare Flugzeuge
  • Interessante Bosskämpfe
  • Schönes Zielschuss-Feature
  • Teilweise öde und sich wiederholende Missonsaufträge
  • Leider relativ kurz
  • Wenig interessanter und abwechslungsreicher Mehrspielermodus
  • Lange Ladezeiten





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