Midsommar

Midsommar

Originaltitel: Midsommar
Genre: Horror • Drama
Regie: Ari Aster
Hauptdarsteller: Florence Pugh
Label: Weltkino
FSK 16

Midsommar   26.09.2019 von Mario von Czapiewski

Nach dem Kritiker-Erfolg Hereditary, der jedoch vom Massenpublikum eher gespalten aufgenommen wurde, bringt Regisseur Ari Aster nun seinen neusten Streich in die weltweiten Kinos. Midsommar heißt das Werk und versucht mit folkloristischem Horror seine Zuschauer zu schocken...

 

Dani (Florence Pugh) fliegt, nachdem sie mehrere Todesfälle in der Familie erleiden musste, mit ihren Freunden zusammen nach Schweden, um dort der Sommersonnenwende in einer abgelegenen ländlichen Gemeinde beizuwohnen. Doch vor Ort müssen alle Gäste feststellen, dass mit der kleinen Gemeinde und ihren Ritualen etwas nicht stimmt.

 

Midsommar beginnt recht düster und zeichnet dies auch mit einer besonders gedrückten Stimmung und weitgehend dunklen Bildern, bevor es dann in die helle, sonnige Welt nach Schweden geht, die auch die ganze Zeit diese Ästhetik beibehält. Wer düstere, gruselige Kulissen erwartet, bekommt dies hier nicht. Aster versucht, wie schon in seinem Vorgänger, immer wieder andere Wege zu gehen, als man es von den meisten im Kino stattfindenden Horrorfilmen erwarten würde. Leider ist genau dieser selbstauferlegte Zwang das größte Problem des Films, welches sich vor allem durch die Art der Inszenierung zieht.

 

Schon die Filmlänge wird dem Zuschauer einiges abverlangen. Mit seinen knapp zweieinhalb Stunden ist dieses Mammutwerk viel zu lang, um seine minimale Geschichte zu erzählen. Lange statische Momente und unnatürlich lange Dialoge mit viel „peinlicher Stille“ zwischen den Charakteren ziehen einen elementaren Handlungspunkt phasenweise so lang, dass man alle Beteiligten am liebsten schütteln möchte. Auch auf Jump-Scares verzichtet der Film beinahe vollständig, was man durchaus gut finden kann. Leider findet Aster hierfür kein Substitut und verlässt sich ausschließlich auf die Inszenierung bizarrer Rituale, die jedoch im Genre-Kontext meist gar nicht so bizarr sind. So ist zwar ein ausufernd inszenierter Selbstmord die beste und beeindruckendste Szene des Films, bleibt aber damit in dem überlangen Werk ziemlich alleine.

 

„Anstrengend“ ist nicht nur ein Prädikat, das die Kaugummi-Dramaturgie verdient, auch die Musik dröhnt zu oft unmotiviert über viel zu lange Zeitlupensequenzen und versucht einem die gewünschte Emotion viel zu deutlich vorzudiktieren. Denn die weitgehend künstlichen Bilder und die spielerische Inszenierung schienen scheinbar schon im Blick der Macher dem Genre phasenweise zu fremd, als dass man sie für sich sprechen lassen könnte.

 

Positiv zu erwähnen ist die Leistung der Hauptdarstellerin Florence Pugh (The Commuter), die zwar hauptsächlich in der ersten Hälfte gefordert wird, aber dort eindringlich und überzeugend wirkt. Leider ist auch ihre Figur durch die starke Zentrierung auf sie und ihr „Erleben“ der Rituale so eindeutig, dass man die kommende Handlung des Films zu jedem Zeitpunkt voraussehen kann. Da helfen auch die vielen Metaphern und Symbole nicht, die dem Film einen doppelten Boden verpassen sollen, da sie sich am Ende trotzdem einer konventionellen Horrorgeschichte unterordnen müssen, die jedoch den Horroraspekt viel zu stark ausdünnt.

 

Damit ist Midsommar als Horrorfilm so weit von seinem Genre entfernt, wie man es innerhalb der Genrebezeichnung nur sein kann. Wer die wenigen Ritual-Inszenierungen schockierend genug findet und auf bekannte Inszenierungsmuster des Genres verzichten kann, muss am Ende nur mit einer vorhersehbaren Handlung und einer langen, zähen Inszenierung umgehen können. Wer bereits den ein oder anderen Horrorfilm abseits plumper Geisterbahnfilme wie Annabelle und Co. gesehen hat, wird sich bei Midsommar wahrscheinlich über weite Strecken schlicht langweilen.

 

Bildergalerie von Midsommar (7 Bilder)


Das Fazit von: Mario von Czapiewski

Mario von Czapiewski

 

Midsommar ist eher ein ungewöhnliches Drama als ein mitreißender Horrorfilm. Lange Einstellungen, eine vorhersehbare Geschichte, eine viel zu lange Laufzeit und eine nervig dröhnende Musikuntermalung machen den Film zu einer wirklich anstrengenden Geduldsprobe.


Die letzten Artikel des Redakteurs:




Kommentare[X]

[X] schließen