Ein russischer Actionfilm. Da schrillten bei mir schon die Alarmglocken. "Eine Mischung aus Doom und Alien" wird da auf dem Backcover geprotzt und "die perfekt choreographierten Action- und Martial-Arts-Sequenzen bewegen sich auf international höchstem Niveau!" Das macht zwar den durchschnittlichen Seher neugierig, aber Profis wissen, dass man mit solch großen Versprechungen gerne mal hinters Licht geführt wird. Kann "Paragraph 78" auch Kritiker wie mich überzeugen?
Der Film beginnt mit einer kleinen Rückblende: Die Elite-Einheit, die im weiteren Film leider ohne Namen bleibt, kommt von einem Einsatz zurück. Daraufhin beginnen sich die beiden Hauptdarsteller Namens Goodwill und Scyth, mächtig auf die Nerven zu gehen. Scheinbar gab es einen Zwischenfall, und der Befehlshaber der Truppe, Goodwill, meldet den Ungehorsam seines Kollegen gleich an oberster Stelle. Sehr zum Unmut der anderen Mitglieder, die daraufhin sofort ihre Hundemarken abgeben und Goodwill den Rücken kehren.
5 Jahre später. Goodwill wird zu seinem früheren Vorgesetzten gerufen: Es gibt ein Problem auf einer verschneiten Militärbasis mitten im nirgendwo. Wissenschaftler haben Experimente mit Viren durchgeführt, doch dann brach der Kontakt ab. Goodwill soll seine alten "Kameraden" zusammentrommeln und der Sache auf den Grund gehen. Dies geht sogar leichter als gedacht, haben doch alle so ihre Probleme damit, richtige Jobs zu bekommen, geschweige denn zu behalten - Einmal Soldat, immer Soldat.

Nachdem sich alle zur Lagebesprechung eingefunden haben, geht es mit dem Heli auch schon los Richtung Aufklärungsmission. An Bord befindet sich noch ein Doktor (im Film dumm mit "Einlauf" übersetzt) der herausfinden soll, mit wem oder was dort genau experimentiert wurde. Als sie also in der besagten Forschungseinrichtung ankommen, wirkt diese scheinbar wie leergefegt und eine geisterhafte Schwere liegt über dem Ort. Nur jedoch solange, bis man auf die Auswirkungen der Experimente stößt: Die Wissenschaftler haben nämlich einen Virus getestet, der das menschliche Gehirn auf ein Minimum runterfährt: Essen, Trinken, Überleben! In jedem anderen Film ginge es also um Zombies, hier jedoch wird es damit erklärt, dass die Personen zu Tieren werden. Welchen Sinn derartige Tests haben sollen, sei dahingestellt. Doch nachdem die eine Gefahr benannt ist, gibt es auch schon das nächste Problem: Das vorher injizierte Gegenmittel ist leider völlig nutzlos und binnen 12 Stunden werden sich auch unsere Protagonisten in die gleichen Kreaturen verwandeln, die sie vorher noch bekämpft haben.
Und hier kommt nun auch der Titel des Films ins Spiel: Denn der "Paragraph 78" besagt, dass man sich und sein Team selbst terminieren muss, wenn bei Rückkehr Gefahr durch Ansteckung oder ähnliches für den Rest der Menschheit bestehen sollte. Und damit ist es beschlossene Sache: Innerhalb von 12 Stunden werden Freund zu Feinden in einem tödlichen Spiel, seine Kameraden zu jagen und zu töten. Und wer übrig bleibt, macht das Licht aus...!
Wie schon erwähnt, gehe ich solchen Filmen normalerweise aus dem Weg. Doch aufgrund meiner Tätigkeit habe ich ihn mir angesehen und war äußerst angenehm überrascht. Angefangen bei den Darstellern, die die harten Menschen gekonnt verkörpern. Die Regie wirkt routiniert, obwohl es meinem Wissen nach das Erstlingswerk des russischen Regisseurs Mikhail Khleborodov ist. Der Soundtrack untermalt gut die düstere Stimmung des Films, während der Kameramann ganz in seinem Element ist und verschiedene Stilelemente mit coolen Kamerafahrten einfängt. Hervorzuheben sind vor allem die gelungenen Special Effects sowie die superb choreographierten Kämpfe, die ihren Höhepunkt in einem Pistolenduell finden, dass vor Einfallsreichtum nur so strotzt! Generell wirkt der Film so, als habe man die beliebtesten Elemente im Actionkino in diesem Film versammelt. Da gibt es 360-Grad-Schwenks mit der Kamera, Zeitlupenschiessereien, extreme Zooms und lange Kameraschwenks – der Einfluss von Matrix und Michael Bay kann kaum bestritten werden.

Leider fallen einem während des Schauens aber auch immer wieder kleinere Patzer ein, die so nicht hätten sein müssen. Nur zum Beispiel sei erwähnt, dass Lisa, die einzige Frau im Team, es nach einer Pöbelei in der Dusche mit drei Muskelprotzen aufnimmt und auch noch gewinnt, während sie eine halbe Stunde später es nicht mal auf die Reihe bringt, ihrem Ex eine zu schallern. Außerdem könnte man die eindimensionalen Charaktere sowie das relativ einfach vorhersehbare Ende anprangern. Die teilweise schlechte Synchronisation mit ihren sinnfreien Übersetzungen tut ihr übriges.
Kurz zur technischen Seite: Der deutsche Ton liegt in 5.1 Surround und 2.0 Stereo vor, während der russische nur im 2.0-Gewand antritt. Der O-Ton ist seltsamerweise etwas lauter abgemischt. Leider fehlt es beiden Spuren etwas an Bass und die Effekte wirken nicht immer klar getrennt. Das Bild gibt sich in vielen Szenen klar und sauber, die Farben sind kräftig, eingesetzte Stilmittel wie starkes Überstrahlen und grobes Filmkorn sind gewollt. Jedoch geht das Bild in sehr dunklen Stellen des Films in die Knie, Klötzchenbildung wird stark sichtbar und Umrisse von Personen wirken regelrecht ausgefranst! Untertitel gibt es in Deutsch und Englisch, und mit den Extras hat sich MiG auch nicht lumpen lassen. Hier gibt es ein relativ ausführliches Making of, Deleted Scenes, sowie ein Musikvideo und die obligatorische Trailershow zu bewundern. Ebenso haben sie den Sammlern unter uns ein Wendecover spendiert.
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