Star Wars: The Old Republic

Star Wars: The Old Republic

Publisher: Electronic Arts
Entwicklerstudio: Bioware
Genre: Online-Rollenspiel
Sub-Genre: MMORPG
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 20.12.2011
USK 12

Star Wars: The Old Republic   25.01.2012 von Benji

Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit in einer sehr bekannten Galaxie, da hat ein großer Entwickler namens Blizzard mit einem einzigen Spiel ein ganzes Genre unter Kontrolle gebracht. Viele haben seitdem versucht am großen Kuchen von „World of Warcraft“ zu knabbern. Einer könnte jetzt das Gleichgewicht zurückbringen. Schafft Bioware mit EA zusammen das unmögliche und zerschlägt mit der Star Wars Lizenz das Warcraft-Monopol?

Es herrscht Krieg im Universum. Etwas weniger als 4000 Jahre vor Beginn der Filmreihe errichten die „wahren Sith“ ihr großes Imperium und bedrohen im ersten großen Krieg der Galaxie die, bis dato unangefochtene, alte Republik. Die Machtverhältnisse sollten sich in einem steten Wechsel befinden, bis die Sith zu einer List greifen. Sie greifen den Haupt-Planeten Corruscant an, zerstören den dort liegenden Jedi-Tempel und erpressen damit die Republik in einen einseitig ausgehandelten Friedensvertrag.

Zu diesem Zeitpunkt beginnt die Geschichte von „The Old Republic“, dem neuesten Online-Rollenspiel aus dem Hause Bioware.
Ihr schlüpft wahlweise in die Rolle einer von acht verfügbaren Klassen und unterstützt damit entweder die schwer geschundene Republik oder das machtversessene Sith-Imperium. Je nach Klasse erlebt Ihr eine Geschichte, die in ihrem Ausmaß und ihrer Erzählweise locker mit älteren Bioware Titeln wie „Knights of the Old Republic“ oder „Mass Effect“ mithalten kann. Die Entwickler wissen damit definitiv, ihre Stärken auszuspielen. Im laufenden Level-Prozess des Charakters wird der Spieler zwar ebenso wie in allen bekannten MMO’s vor stupiden Aufgaben wie „Töte X und Y“ oder „Fange A oder B“ gestellt, dafür wird jede einzelne Aufgabe mittels aufwendigen Zwischensequenzen in eine spannende Geschichte verpackt. So werdet Ihr als Schmuggler z. B. zu Beginn in einen Konflikt auf Ord Mantell hineingezogen. Separatisten versuchen dort die Unabhängigkeit zurück zu erlangen, während die Republik den bewohnbaren Planeten braucht, um einen Sitz im imperialen Sektor zu behalten. Kaum seid Ihr gelandet, klaut Euch dann auch noch ein fliehender Separatist Euer Raumschiff. Ihr sitzt also auf dem Planeten fest.

Ganz nebenbei erzählt „The Old Republic“ damit auch noch die Geschichte des Planeten Ord Mantell und so zieht sich die Entdeckungstour des Spielers durch das gesamte Spiel.
Von Planet zu Planet und von Level zu Level erkundet man die historische Geschichte von Star Wars und bekommt das typische Epos-Feeling geboten. Dabei ist der Weg allerdings für ein MMO vergleichsweise linear. Die Geschichte der Klasse führt einen ohne Umwege durch die passenden Planeten, die für den jeweiligen Level-Abschnitt geeignet sind. Kurze Erkundungstouren sind gerade zu Beginn des Spiels ausgeschlossen. Die Startplaneten und Hauptstädte der gegnerischen Fraktion wird man sogar nie erkunden können. Überhaupt wird man erst vergleichsweise spät mit auf gegnerische Spieler treffen. Wer also auf offene "Spieler gegen Spieler" Gemetzel aus ist, dem wird „The Old Republic“ nicht wirklich viel Freude bringen. Das Spiel ist mit seiner Erzählweise und dem Aufbau der Spielwelt ganz klar auf eine „PvE“ Spielweise ausgelegt. Jene Variante, in der Spieler gegen computergesteuerte Gegner antreten.

Abgesehen davon revolutioniert Bioware nicht wirklich das MMO-Genre.
Die Acht wählbaren Klassen spezialisieren sich ab Level 10, also relativ früh, in eine von zwei Varianten. Schaut man sich diese jeweils an, finden sich alle bekannten Rollenspiel-Klassen wieder. So spielt sich ein Jedi-Hüter, wie ein typischer „Tank“, der die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich zieht, während Schmuggler oder Kopfgeldjäger die „Damage Dealer“ mimen, die in einem Kampf den Schaden austeilen. Natürlich finden sich auch wieder typische Heiler-Klassen im Repertoire, die eine Gruppe mit ihren Fähigkeiten am Leben halten. Mit viel Fantasie wird man dank der typischen Aufteilung jede Spezialisierung einer bekannten Spielklasse aus „World of Warcraft“ zuweisen können. Dabei fällt aber auch gleichzeitig auf, dass sich die Spielweisen teilweise stark ähneln. Jedi-Hüter haben eine „Force“ Leiste, die sich ähnlich der „Krieger-Wut“ im Kampf steigert, und Jedi-Botschafter verwalten ihre Macht ähnlich einem Mana-Vorrat. The Old Republic“ hat also vom großen Vorbild gelernt und weiß dies auch im Menüaufbau zu verwerten. So spielt sich Biowares erstes MMO dank übersichtlichem HUD und flexibler Steuerung sehr ähnlich wie Blizzards Genreprimus.

Ein richtiges MMO ist natürlich auf das gemeinschaftliche Spielen ausgelegt.
Dabei lässt SW:ToR in dieser Hinsicht ungewöhnlich viel Freiraum. So wird dem Spieler schon nach kurzer Level-Phase ein computergesteuerter Kollege zur Seite gestellt. Dieser erleichtert das Lösen der allgemein zugänglichen Aufgaben ungemein, wodurch der Zusammenschluss in Gruppen erst bei wirklich schwierigen „Quest“ notwendig wird. Das liegt daran, dass der Computerkollege jeweils einer vollwertigen Klasse entspricht und zumeist auch auf die eigene Spielweise angepasst werden kann. So bekommt der Jedi-Botschafter einen trandoshanischen Krieger an die Seite gestellt, der die typischen „Tank“-Aufgaben übernimmt. Das hilft dabei, dass der Botschafter seine mächtigen Fernkampffähigkeiten ausspielen kann. Damit der Gefährte keinen lebenden Spielkameraden ersetzen kann, ist dessen Auswahl an Fähigkeiten begrenzt. Für besonders happige Aufgaben ist er deswegen überfordert. Diese werden im Logbuch des Spielers durch Angaben wie „Helden 2+“ markiert.

Wer es etwas anspruchsvoller mag, der geht mit einer Gruppe in eine der gut verteilten „Flashpoints“.
Dieses sind instanziierte Gebiete, die von Anfang bis Ende eine abgeschlossene Geschichte erzählen. Ein Flashpoint benötigt eine vollständige Gruppe, die aus vier Spielern besteht. Die Geschichten werden Bioware-typisch sehr cineastisch erzählt und bieten neben diversen Gegnergruppen auch einige Bosse. Wer es etwas größer mag, der schließt sich mit bis zu 16 Spielern zusammen und begibt sich in sogenannte Operationen. Diese sind zwar größtenteils erst im Endspiel (Stufe 50) verfügbar, bieten aber neben anspruchsvolleren Kämpfen auch die besseren Belohnungen. Das Zusammenspiel in einer Gruppe macht gleich doppelt Spaß, wenn man zusammen in die Zwischensequenzen geht. Hier wird fleißig gewürfelt, wessen Antwort gewertet wird. Die Gespräche entwickeln sich dadurch teilweise sehr unterschiedlich, da die einzelnen Charaktere sich sehr variabel einbringen. So versucht der Jedi möglichst alles diplomatisch zu lösen, während die republikanischen Soldaten auf Gerechtigkeit pochen und die Schmuggler nur ihr Geld wollen. Selbst nach mehrmaligem Spielen der gleichen Mission kann dies dazu führen, dass die Sequenzen nicht langweilig werden.

Wer sich lieber gegen andere Spieler duelliert, der betritt eine von drei Kampfzonen.
In „Voidstar“ versuchen Imperium und Republik jeweils, die Kontrolle über einen verschollenen imperialen Zerstörer zu erlangen. Eine Seite fungiert dabei als Angreifer, während die Andere ihre Positionen verteidigen muss. Auf Alderaan geht es wiederum um das Halten wichtiger Positionen. Denn der Krieg wird hier größtenteils durch die Schiffe im Orbit entschieden und Ihr müsst Kanonen erobern, die dann die Flotte des Gegners unter Beschuss nehmen können. Wesentlich innovativer gibt sich die dritte Kampfzone: Huttball. In diesem brutalen Sport der Hutts, versuchen zwei Gruppen einen Ball über die gegnerische Ziellinie zu bringen. Das erinnert ein wenig an „American Football“, wären da nicht die tödlichen Fallen und die aggressive Spielweise. Wirklich herausragend gibt sich das PvP-System von „The Old Republik“ allerdings nicht. Es ist eher Standardkost, die dank der Star Wars Lizenz halbwegs interessant verpackt ist. In Verbindung mit den spärlichen Möglichkeiten im offenen Feld eignet sich das Spiel daher für intensive PvP-Spieler eher weniger.

Zuletzt ein Blick auf die technischen Aspekte des Spiels.
Dass die herausragende Musikuntermalung von Star Wars bis dato in nahezu jedem Spiel gute Dienste geleistet hat, steht außer Frage. Tatsächlich sorgt es wieder für Gänsehaut, wenn man mit seinen Kollegen einen bösartigen Sith verprügelt und dabei die eingängige Hymne von John Williams ertönt. Auch die Stimmung der Planeten wird teilweise sehr gut rübergebracht, was die Immersion enorm verbessert. Im Allgemeinen gingen die Entwickler hier soundtechnisch keine Risiken ein. Der Spieler bekommt was er erwartet und das ist auch verdammt gut so. Wesentlich experimentierfreudiger war man hingegen bei der Grafik. Hier orientiert sich „The Old Republic“ mehr am Primus „World of Warcraft“. Die Figuren erscheinen überspitzt und der Look wird comichaft. Im Star Wars Lizenz-Universum ähnelt der jüngste Film „Star Wars: Clone Wars“ am ehesten noch dem gewählten Stil von Biowares MMO. Auch wenn die Grafik damit zumeist eingängig ist, so ist sie dennoch ressourcenschonend. Die meisten Rechner dürften keine Probleme haben, die alte Republik vernünftig in Szene zu setzen.


Wer sich die Zeit nehmen will, alle Charakterklassen und alle Planeten zu erkunden, der wird locker mehrere Monate beschäftigt sein. Hinzu kommt, dass Bioware eine aggressive Update-Politik angekündigt hat und mit dem ersten Content-Update nach bereits einem Monat scheinbar auch einhält. Für die monatlichen Kosten wird also auch eine Menge geboten. Bleibt dem Spieler überlassen, ob er sich darauf einlassen will. Lohnen tut es sich auf jeden Fall.


Das Fazit von: Benji

Benji

Ja ich bin ein Star Wars Fan. Das Universum ist wirklich gigantisch und die vielen verschiedenen Einflüsse machen es umso interessanter. Ich bin ebenso ein Fan der letzten Bioware Spiele und wurde dementsprechend bei „The Old Republic“ kein bisschen enttäuscht. In weiten Strecken spielt sich dieses Spiel wie kein normales MMO, sondern mehr wie ein kooperatives „Mass Effect“. Im aktuellen Test habe ich nur einen Bruchteil der Möglichkeiten angesprochen. Features wie Liebesbeziehungen und die Charaktergesinnung wurden ausgespart, weil diese derzeit noch wenige Auswirkungen auf die Umwelt haben und sonst der Artikel unlesbar lang werden würde. Dennoch ist erkennbar, dass Biowares erstes MMO jetzt schon ein Volltreffer ist und in Zukunft sogar noch besser werden könnte. Wer sich mit den monatlichen Gebühren abfinden kann, dürfte hier sehr lange seinen Spaß haben!


positiv negativ
  • Cineastische Geschichtserzählung
  • Enormer Umfang
  • Unterschiedliche Klassengeschichten
  • Star Wars Soundtrack
  • Gelungene Integration von NPC-Kameraden
  • Eigenes Raumschiff
  • Nette Comic-Grafik
  • Aufgaben meist sehr eintönig
  • Kaum offene Spieler gegen Spieler Gefechte
  • Keine Stadt-Raids möglich
  • Alibi-Weltraumschlachten





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