Mit UFC 2010 kommt endlich der Nachfolger eines der spektakulärsten und vielleicht dem besten Sportspiel des letzten Jahres auf den Markt. Stürzt euch wieder in den Ring und vermöbelt eure Gegner in grandiosen Kämpfen. Ob das Game auch dieses Jahr wieder das Zeug hat, sich an die Spitze des Genres zu setzen, erfahrt ihr im nachfolgenden Bericht.
UFC bedeutet ausgeschrieben Ultimate Fight Challenge und ist einer der führenden Mixed-Martial-Arts (MMA)-Sportarten der Welt. Für die gesteigerte Popularität des Sports lieferte die letztjährige Version des Titels für die Xbox 360 und die Playstation 3 einen nicht unwesentlichen Anteil. Wer sich mit dem Prügelspiel bisher noch nicht näher beschäftigt hat, für den gibt es erst mal einen kurzen Überblick. Bei der UFC treffen verschiedenste Kampfkünste aufeinander, was aufmerksame Leser bestimmt auch schon dem Begriff MMA entnehmen konnten. Dies beinhaltet klassische Kampfkünste, wie beispielsweise Karate oder Kickboxen, aber bei uns nicht ganz so verbreitete Stile, wie etwa Jiu Jitsu oder Wrestling. Kurz gesagt, wie genau man seinen Gegner verprügelt, ist egal. Hauptsache man macht es überhaupt und schickt seinen Gegner innerhalb der drei typischerweise angesetzten Runden auf die Bretter des Rings, in dem das Ganze stattfindet. Alternativ kann man seinen Gegner natürlich auch per Aufgabe oder Punktsieg zu einer Niederlage verhelfen, was aber meist wesentlich unspektakulärer ist. So, nun aber zum eigentlichen Spiel und seinen Neuerungen, die zwar nicht zahlreich, aber doch vorhanden sind. Es ist auf jeden Fall schon mal positiv anzumerken, dass sich in diesem Fall die Entwickler den Kritiken der letzten Jahre angenommen haben und vor allem an der Präsentation des Titels gearbeitet haben. Dies hat sich hauptsächlich in der Karriere niedergeschlagen, die doch durch einige Features deutlich verbessert und aufgewertet wurde, aber dazu später mehr. Was an dieser Stelle aber definitiv erwähnt werden muss, ist der Umfang des Spiels. Beispielsweise kann man zwischen über 100 Kämpfern in fünf Gewichtsklassen der UFC wählen, sich an diversen Schauplätzen messen und zwischen den unterschiedlichsten Spielmodi den richtigen raussuchen.
Voll auf die Zwölf
Das Gameplay ist auf alle Fälle nicht großartig verändert worden, bietet aber trotz allem reichlich Möglichkeiten zum Vermöbeln der Gegner. Dabei geht es in jedem Fall ordentlich zur Sache. Wer schon die letztjährige Version gespielt hat, der wird sich wieder schnell an die Steuerung gewöhnen, es wurden lediglich einige Kleinigkeiten geändert. Neulinge werden es allerdings deutlich schwieriger haben und einige Eingewöhnungszeit einplanen müssen. Man muss sich schon an die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten gewöhnen, ein blindes Draufhauen auf die Buttons wird meist nicht zum Erfolg führen, ein taktisches Vorgehen im Kampf ist notwendig, um den Gegner irgendwann auf die Bretter des Rings zu schicken. Durch einige integrierte Tutorials und Einführungen bekommt man zwar die grundlegendsten Elemente der Steuerung näher gebracht, doch wirklich erlernen kann man sie nur durch üben, üben und nochmal üben. Dies liegt vor allem daran, dass man neben den typischen Elementen wie diversen Schlägen oder Abwehrhaltungen auch noch Trittbewegungen, Takedowns, Bodenkämpfe, Ringerelemente, Aufgabegriffe und zahlreiches mehr integrieren musste, um möglichst viele Facetten der verschiedenen Kampfkünste abzudecken. Dabei kommt man gerade mit der Steuerung des Bodenkampfes eher schlecht zurecht, da die Tutorials diesen Aspekt auch weniger erläutern. Hat man allerdings erst einmal etwas Übung, so beginnt das Ganze richtig Spaß zu machen. Man gewinnt die ersten Kämpfe und widmet sich schon mehr den taktischen Elementen, um den Gegner mit der Zeit so weichzuklopfen, dass man den „Lucky Punch“ im richtigen Moment anbringen kann. Übrigens habt ihr bei UFC 2010 nicht die typischen Elemente wie die körperliche Fitness oder den Gesundheitszustand im HUD-Display, sondern ihr merkt den Ermüdungsgrad eurem Kämpfer deutlich an und seht vor allem auch, was und wo er schon alles eins auf die Nase bekommen hat. Das wirkt auf alle Fälle realistischer, außerdem achtet man nicht ständig nur auf die sich lang- und mühsam entleerenden Balken. Alles in Allem muss man schon sagen, dass Steuerung und Gameplay ordentlich gelungen sind, einige Elemente, wie beispielsweise die Steuerung des Bodenkampfes hat man gegenüber dem Vorgänger schon leicht verbessert, es steckt allerdings trotz allem noch genügend Optimierungspotential drin, um gerade auch den Einsteigern das Leben etwas zu erleichtern.
Geile Spielmodi und noch geilere Karriere
An dieser Stelle wende ich mich hauptsächlich der Karriere zu, die im Single-Player-Bereich wohl am meisten verbessert wurde und gleichzeitig das Zentrum des Spiels darstellt. Ihr beginnt die Karriere damit, dass ihr euch zunächst einen Kämpfer mit dem Editor selbst zusammenstellt. Die Kombinations- und Einstellungsmöglichkeiten sind dabei nahezu unbegrenzt. Das geht von den „persönlichen“ Sachen wie der Wahl eures Namens, den Spitznamen, Heimat- und Trainingsstadt, Nationalität über die Auswahl der körperlichen Proportionalität wie Größe, Breite des Gesichts, der Wangenknochen, der Augen, der Hüfte, und und und bis hin zum Festlegen der Haarfarbe, der Kleidung und schließlich auch der ersten Eigenschaftspunkte und Fähigkeiten.
Nachdem man also mindestens mal eine halbe Stunde so mit den Einstellungen im Editor verbracht hat, kann man sich nun endlich dem sportlichen Aspekt der Karriere widmen und die ersten Kämpfe bestreiten. Immer vor Augen natürlich das große Ziel, irgendwann an der Spitze der UFC zu stehen. Doch davon ist man anfangs natürlich noch weit entfernt. Man beginnt zunächst als hoffnungsvolles Talent im Amateurbereich, wobei einem der Trainer, der euch während eurer kompletten Karriere begleitet, die ersten wertvollen Tipps gibt, wie ihr euer Training gestalten solltet, um den ersten Kampf erfolgreich zu gestalten. Noch habt ihr davon aber wenig Ahnung und steigt einfach erst mal in den Ring. Dieser erste Kampf ist noch recht einfach und ihr solltet den Gegner relativ schnell auf die Bretter schicken. Juhu, und schon bekommt ihr die Möglichkeit, ins Profi-Lager aufzusteigen und euch in der World Fighting Alliance (WFA), einer Unterorganisation der UFC an den etwas besseren Gegner zu versuchen. Doch um schnell nach oben zu kommen, müsst ihr hart trainieren. Dazu habt ihr zwischen euren Kämpfen immer massig Möglichkeiten. Zum einen könnt ihr eine eurer drei Grundeigenschaften Geschwindigkeit, Kraft und Kardio verbessern. Bei der Wahl des Trainings müsst ihr dann auch gleich festlegen, wie intensiv das Training sein soll. Dabei gilt die Faustregel: Je intensiver, desto müder macht euch das Ganze, aber desto mehr Steigerung bringt es natürlich auch, aber das müsst ihr schon selber entscheiden.
Die anderen Kampffähigkeiten könnt ihr ganz einfach durch Sparringkämpfe steigern, wobei ihr dabei bestimmte erfolgreiche Schläge entsprechend dem Fähigkeitenlevel, auf dem ihr euch gerade bewegt, steigern könnt. Die dritte Möglichkeit, euch zu verbessern, stellen die Fight-Camps dar. Dort habt ihr die Möglichkeit, neue Moves, Schläge und Tritte zu erlernen. Dies ist meiner Ansicht nach ein extrem geiles Feature. So kann wirklich jeder seinem Kämpfer einen Hauch von Individualismus einbläuen, auch wenn die optischen Facetten schon sehr zahlreich waren. Um den gewählten Move nun zu erlernen, müsst ihr die euch vorgestellte Tastenkombination ausführen und den gewählten Move erfolgreich ins Ziel bringen. Gelingt euch das innerhalb einer gewissen Zeit entsprechend oft, ist das Training erfolgreich und die Bewegung steht euch ab sofort bei eurem Kämpfer zur Verfügung und auch hier gibt es verschiedene Stufen. Das System ist sehr gut umgesetzt, allerdings wird das ganze schnell ein wenig langweilig. Man hätte schon versuchen könne, die Arten der Minispiele ein wenig variantenreicher zu gestalten als „triff hier 3mal“ oder „triff dort 4mal“.
Hat man sich dann erst mal ein gewisses Können angeeignet, die Steuerung einigermaßen verstanden und ein wenig geübt, dann dauert es sicherlich nicht lange bis man Teil des Traums ist – Teil der UFC und vielleicht sogar noch mehr?! Allerdings ist man auch dann noch nicht vor Rückschlägen sicher. Verliert man mal ein paar Kämpfe in der höchsten Kampfklasse nacheinander, dann kann es passieren, dass man ein Ultimatum gestellt bekommt, so dass sich man bei einer weiteren Niederlage ganz schnell wieder in den niederen Gefilden der WFA wiederfindet. Bleibt man aber am Ball, so sollte das so schnell kein Thema mehr sein.
Als weitere Neuigkeiten im Karrieremodus gibt es dann noch einige Events wie Interviews, TV-Reportagen oder Teilnehmer bei einem anderen Pay-per-View-Event, was einem Punkte bringt, die für den Ruf und den Ruhm verantwortlich sind. So kämpft man sich Stück für Stück durch die mehr oder weniger erfolgreiche Karriere, in der man dann auch noch Sponsoren gewinnen kann, die einem wiederum den Zugriff auf neue Kleidung und Sportgeräte ermöglicht. All das sind nette Ideen, die wirklich teilweise innovativ sind, trotz allem nerven sie mit der Zeit trotzdem. So ist an dieser Stelle noch Weiterentwicklung möglich, da sind noch Potentiale ungenutzt. Ein negativer Punkt bleibt hier noch festzuhalten – und das ist die Dauer der Karriere. Diese ist nämlich auf zwölf Jahre beschränkt, was zwar eigentlich so an die 60 Kämpfe bedeutet, doch die vergehen im Spielrausch wie im Flug, ohne dass man es wirklich merkt. Das hätte man vielleicht noch etwas ausdehnen können. Insgesamt gesehen ist die Karriere aber gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert und mit Inhalten angereichert worden, so dass man den Entwicklern für die Annahme der Kritiken am Vorgänger nur ein Kompliment aussprechen kann.
Weitere Modi, die ihr neben der Karriere offline spielen könnt, sind so typische wie Turniere, Training, schnelles Match oder ein Tutorial. Erwähnenswert ist hier aber noch der so genannte „Ultimate Fight“, bei dem ihr spezielle, historische und berühmte Matches nachspielen könnt, bei denen ihr in gewissen Situationen in einen Kampf einsteigt und ihn schließlich zu euren Gunsten entscheiden müsst. Dies mag der eine oder andere von euch in ähnlicher Art von einigen anderen Sportspielen wie beispielsweise von Electronic Arts FIFA-Serie kennen, trotz allem macht sich dieser Modus hier richtig gut. Auch online bietet euch UFC 2010 Einiges. Dabei könnt ihr euch natürlich in ganz normalen Schaukämpfen mit anderen menschlichen Gegnern messen. Der Kern des Onlinemodus stellen aber die so genannten Online-Camps dar, in denen ihr neben trainieren und euch einer Sportgemeinschaft anschließen könnt, auch noch andere Kämpfer herausfordern könnt, um euch in der Rangliste nach oben zu kämpfen, was im Siegesfalle mit besonderen Belohnungen honoriert wird, über die ich an dieser Stelle nichts Weiteres verraten möchte.
Grafik und Sound
Wie schon vorab erwähnt, differenziert sich diese Version vor allem in der Präsentation gegenüber der Vorversion. Dieser wirkt doch insgesamt mit ihren liebevollen Details viel authentischer und gleichzeitig auch atmosphärischer. Da haben sich die Entwickler auch viel näher an die Shows des Originals gehalten, was dem ganzen Spiel definitiv zugutekommt. Auch wenn das Publikum in manchen Szenen noch ein wenig zu statisch wirkt, so macht es trotz allem Spaß, die Begeisterung der Zuschauer aufzunehmen und den nächsten Schlag anzusetzen und Blut und Schweiß durch den Ring spritzen zu sehen. Was die eingesteckten Schläge während eines Kampfes angeht, so kann man deren Auswirkung nach dem Kampf auch meist noch gut auf den Rippen oder dem Gesicht (hoffentlich des Gegners) wieder erkennen. Das wurde richtig gut umgesetzt. Die soundtechnische Untermalung geht durchaus in Ordnung, sogar die permanent vorhandenen Kommentare während eines Kampfes sind weitestgehend ertragbar. Schön daran ist, dass sie Bezug nehmen auf die aktuelle Situation eines Kämpfers, es wird also erwähnt, falls er gerade eine Sieges- oder Niederlagenserie hat, genauso wie das Publikum mit Begeisterungsstürmen auf gute und mit „Buuh“-Rufen auf langweilige Kämpfe reagiert. Wirklich toll! Technisch gesehen gibt es nur einige, kleinere Mankos, mit denen man aber durch die restliche und im Allgemeinen sehr gute Präsentation gut leben kann. Das Game wirkt einfach rund und bietet aus dieser Sicht ein atmosphärisches Highlight!
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Die virtuelle Prügelorgie macht auch in der diesjährigen Version wieder richtig Spaß. Zwar hat sich grundlegend gegenüber dem Vorgänger nicht wirklich viel verändert, trotz allem sind die Entwickler auf einige der Kritikpunkte eingegangen. So gibt es beispielsweise im grandios gelungenen Karrieremodus einige Neuigkeiten zu bestaunen. Auch technisch gesehen kann UFC 2010 überzeugen, Grafik und Sound tragen zu einer herausragenden Atmosphäre und Präsentation bei, die im Prügelgenre Ihresgleichen sucht. Fans der realen UFC oder der Vorgänger des Spiels sollten unbedingt zuschlagen, aber auch Neulinge werden nach einer gewissen Eingewöhnungszeit was die Steuerung angeht, sicher mit dem Spiel und seinem enormen Umfang im Single- wie auch im Multiplayerbereich ihren Spaß haben. Sehr gute Umsetzung!
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