WRC: FIA World Rally Championship

WRC: FIA World Rally Championship

Publisher: Black Bean
Entwicklerstudio: Milestone
Genre: Racegame
Sub-Genre: Rallysimulation
Art: Vollpreistitel
Erscheinungsdatum: 08.10.2010
USK 0

WRC: FIA World Rally Championship   24.10.2010 von DeWerni

Nachdem seit Jahren kein richtiges Rallygame mehr erschienen ist, versucht sich Milestone mit WRC daran. Dann also nichts wie hinter das Steuer geklemmt und mal schauen, was das Spiel so bietet. Ob er eine wirkliche Alternative zu den Arcaderacern wie GRID oder DIRT ist, erfahrt ihr im nachfolgenden Bericht.

Nach einigen Jahren, in denen es, was Games aus dem Rallysektor angeht, doch eher ruhig bestellt war, haben sich endlich die Entwickler von Milestone mal wieder daran gemacht, ein neues Spiel auf den Markt zu werfen. Vor Kurzem landete also WRC: FIA World Rally Championship in unseren Verkaufsregalen. Dabei handelt es sich um einen Racer, der wieder einmal ein wenig mehr den Fokus auf eine Fahrsimulation legt und weniger die spektakuläre Grafik- und Actionpracht eines Race Driver Grid oder eines Colin McRae Dirt. An dieser Stelle sei jedoch gleich einmal darauf hingewiesen, dass WRC glücklicherweise einige positive aber leider auch eine Menge negative Aspekte mit sich bringt. Direkt während des Fahrens ist die Fahrzeugkontrolle recht gut umgesetzt, man spürt praktisch bei einem Wechsel des Untergrunds diesen auch am Verhalten des Fahrzeugs. Auch wenn die zugrundliegende Physik-Engine nicht ganz überzeugen kann, so macht das Rennen an sich schon einmal ein Menge Spaß – aber dazu an späterer Stelle noch etwas mehr. Schlecht umgesetzt ist dagegen der technische Teil des Spiels. Man fühlt sich, vor allem auch wegen der mageren Grafik, doch eher um fünf Jahre zurückversetzt, zu dieser Zeit wäre das Spiel wohl zeitgemäß. Ganz groß punkten kann WRC dann aber wieder beim Lizenzumfang. Hier darf man neben den Fahrzeugen der eigentlichen WRC, die leider im Moment nur von den Herstellern Ford mit dem Focus und von Citroen mit dem C4 besetzt sind, auch noch die Originalfahrzeuge der P-, S- und J-WRC-Serie auswählen und fahren. So kommt man schließlich doch in den Genuss eines Skoda Fabia S2000, Peugeot 205 T16 oder dem Suzuki Swift S1600. Weiter bietet es uns die aktuellen Rallyhelden wie beispielsweise Kimi Räikönnen oder Sébastien Loeb und natürlich alle 13 original WM-Schauplätze wie Deutschland, Finnland, Portugal und Schweden. Die einzelnen Rallyabschnitte selbst sind dagegen meist frei erfunden, was den Spielspaß aber nicht trübt.

Links 3, rechts 6, Sprung, über Brücke mit anschließender Haarnadel
Wie schon angesprochen hat das Game den Fokus ja eindeutig nach Arcaderacern wie GRID und DIRT auf die Simulation gelegt. Die unterschiedlichen Untergründe, auf denen ihr euch im Spiel in diversen Etappen beweisen müsst, wie beispielsweise Matsch, Schotter oder Eis, merkt ihr auch deutlich dem Verhalten des Fahrzeugs an. Dafür hat man als Spieler die Möglichkeit, allerhand Einstellungen am Auto vorzunehmen. So könnt ihr als Beispiel das Differenzial, die Bremsbalance oder auch die Bodenfreiheit einstellen. Ok, für absolute Rennsportfans und –experten werden die vorhandenen Einstellungen nicht ausreichen, zumal auch die Reifenauswahl automatisch je nach Untergrund geschieht, was teilweise ein wenig unbefriedigend ist. Außerdem sind die Einstellungen von Grund auf sehr schwer zu optimieren, da man keinerlei Testfahrten absolvieren kann, sondern immer gleich mit dem Wettbewerb loslegt. Während eines Rennens müsst ihr dann den Ansagen eures Beifahrers in der typischen Rallyart „Links 3, rechts 6, Sprung, über Brücke mit anschließender Haarnadel“ blind vertrauen, auch wenn euch am unteren Rand eine kleine Minimap eingeblendet wird. Dabei stehen die Zahlen für die Enge der anstehenden Kurve, je kleiner die Zahl je enger die Kurve in einer Skala von 1 bis 6. Umso ärgerlicher ist es, dass der Beifahrer zwar jederzeit gut zu verstehen ist und die richtigen Anweisungen gibt, diese aber teilweise so kurz vor der entscheidenden Kurve, dass man darauf nicht mehr richtig reagieren kann. Fahrt ihr nur nach Blick oder der Minimap, so habt ihr gegen die Gegner einfach überhaupt keine Chance. Nur wer das Risiko liebt, der wird in WRC Etappen, Rennen und Meisterschaften gewinnen. Außerdem benötig ihr gerade am Anfang und als Einsteiger mehr oder weniger Übung, um mit den Boliden und den wechselnden Untergründen der Etappen zurecht zu kommen und erste ansehnliche Ergebnisse einzufahren. Die allerersten Rennen werden wahrscheinlich eher frustrierend ausgehen, bevor es dann Stück für Stück besser wird. Kommt ihr erst einmal mit der Steuerung zurecht, dann macht das Game erst richtig Spaß und ihr merkt schnell, dass die Gegner gar nicht so gut sind, wie sie anfangs erscheinen.

Trotz allem habt ihr gerade als Anfänger die Möglichkeit, zahlreiche Fahrhilfen zuzuschalten. Dies beinhaltet ABS, ESP, automatische Bremsen und die mittlerweile schon fast als Standard zu bezeichnende Ideallinie inklusive rot/grün-Färbung für die richtige Geschwindigkeit. Solltet ihr doch einmal einen Unfall bauen, so kommt das Schadensmodell zum Tragen, was nicht wirklich überzeugend ist. Es ist zwar schön, die optischen Schäden, wie auch die des Fahrzeugs an den verschiedenen Teilen zu sehen und zwischen den Etappen auszubessern, jedoch sind die Kollisionen eher plump und unrealistisch gestaltet. Wenn man Beispielsweise an einem Stein hängen bleibt, so springt man einfach einen Satz zurück. Außerdem bleibt man oft an Kleinigkeiten wie kleinen Schildern oder Steinen hängen, die in Realität von einem Rallywagen wahrscheinlich einfach nur überrollt würden. Schade, aus dem Ansatz hätte man mehr machen können. Vor allem die optische Anzeige der Status der einzelnen Fahrzeugteile im rot/grün-Stil ist sehr übersichtlich und gut gelungen. Ein Fahrzeug könnt ihr im Übrigen aus drei verschiedenen Blickwinkeln steuern: Aus der 3rd-Person-Perspektive sowie der Cockpit- und der Motorhauben-Kamera. Während man in der 3rd-Person-Perspektive eine gute Übersicht behält, so wirkt das Rennen im Cockpit oder auf der Motorhaube deutlich spektakulärer.

Erklimme die Karriereleiter
Der zentrale Spielmodus stellt sicher die Karriere dar, die bei WRC sehr umfangreich gestaltet ist. Dabei müsst ihr zunächst eurem Fahrer einen Namen geben und einige Details auswählen. Danach habt ihr ein kleines Budget zur Verfügung, mit dem ihr euch zunächst ein kleines Auto kaufen müsst. Nun nehmt ihr an kurzen Rennen teil, um etwas Geld zu verdienen und euren Ruf zu verbessern. Dieser ist dafür verantwortlich, wer als Haupt- und Nebensponsor an euch herantritt und welche finanzielle Unterstützung diese euch bieten.  Desto besser ihr abschneidet, desto besser natürlich auch die Angebote. Nebenbei schaltet ihr mit fortschreitender Karriere auch neu Wagen, Lackierungen, Klassen, Veranstaltungen und Lackierungsmuster frei, die ihr trotz allem erst erwerben müsst. So schlagt ihr euch Veranstaltung für Veranstaltung und Klasse für Klasse durch die Karriere. Da diese sehr umfangreich ist, kann es aber auch eine ganze Weile dauern, bis ihr diese durch habt und das wirkt teilweise aufgrund der Natur des Rallysports ein wenig eintönig, macht aber trotzdem noch Spaß. So wirklich spektakulär und spaßig wird es allerdings, wenn man Zugang zur WRC-Klasse hat, da man so erst richtig um die Kurven sliden kann, weil man endlich genügend PS in seinem Boliden hat. Generell sorgt die Karriere eine Weile lang für Unterhaltung, reizt dann aber zusehends auch weniger aufgrund der geringen Abwechslung. Als weitere verfügbare Spielmodi stehen die typischen Zeitfahren, Einzelprüfungen, Rallys und komplette Meisterschaften zur Verfügung. Außerdem bietet euch WRC eine Rally-Academy, in der man Kurventechniken gezeigt bekommt und diese üben kann. Hierbei handelt es sich aber eigentlich nicht um eine Art Tutorial, vielmehr sind es diverse einzelne Herausforderungen, die gemeistert werden müssen. Trotzdem ist es eine nette Dreingabe.

Online und Multiplayer

Der Multiplayerbereich von WRC ist leider nicht ganz so stark geworden wie der Single-Player-Modus oder speziell die Karriere. Hier lassen sich nämlich lediglich Zeitfahrrennen mit bis zu 16 Mitspielern durchführen. Das hört sich im ersten Moment ja gar nicht so schlimm an, doch sind die gegnerischen Fahrer immer nur als Geist zu erkennen, so dass man sich praktisch immer alleine auf der Strecke befindet. Zu richtigen fahrerischen Schlachten kann es so dann natürlich nicht kommen. Auf die gleiche Art und Weise lassen sich dann neben einzelnen Etappen auch ganze Rallys oder gar Weltmeisterschaften bestreiten. Für jede Klasse hat man übrigens online einen Level, der mit der Zeit und den absolvierten Rennen ansteigt. So hat man zwar nicht wirklich viele Möglichkeiten für Online-Spiele, vorübergehend wird man trotzdem eine Menge Spaß haben. Die angesprochenen Levels sorgen für weitere Motivation, ohne dass man hier Monate an die Konsole gefesselt bleibt. Zusätzlich zu den Online-Modi gibt auch einen Hotseat-Modus, bei dem man mit bis zu vier Freunden vor einer Konsole im „fliegenden“ Wechsel fahren kann.

Altbackene Technik
Technisch gesehen ist WRC, wie schon mehrfach angesprochen, leider nicht mehr „State of the art“. Wenn das Game einige Jahre früher erschienen wäre, so hätte man dies noch vernachlässigen können, aber heutzutage ist man einfach anderes gewohnt. So sieht schon die ganze Streckenpräsentation wenig ansprechend aus, außerdem wirkt sie ganz schön angestaubt und mit wenig Liebe ins Detail gestaltet. Es passiert zusätzlich während den Fahrten des Öfteren, dass kleinere Details wie Pflanzen oder Steine erst kurz vor dem Auto ins Bild poppen, was sehr unschön ist. Vorteil der etwas biederen Grafik ist dann natürlich, dass selbst lange Strecken auf einmal geladen werden können und ohne weiteres Nachladen auskommen. Etwas besser gestaltet, sind dagegen die Fahrzeuge, die mit ausreichend Details versehen sind, auch wenn an dieser Stelle moderne Effekte fehlen. Ein weiterer negativer Aspekt sind die lieblos und teilweise einfach schlecht gestalteten Menüs. Ich traute meinen Augen kaum, als ich das Spiel das erste Mal im Laufwerk liegen hatte und feststellen musste, dass Teile des Menüs auf meinen Full-HD-LCD unscharf dargestellt werden. Dieser Punkt kann den Entwicklern doch nicht entgangen sein, so kann man heutzutage auf alle Fälle kein Spiel mehr releasen. Der Ton geht hier dagegen im Großen und Ganzen in Ordnung. Die Beifahrer mit ihren fahrerischen Anweisungen sind jederzeit gut verständlich. Die Motorengeräusche hätten etwas kräftiger ausfallen können, aber sie hören sich einigermaßen authentisch an. Umgebungsgeräusche hat man meist komplett weg gelassen, so dass sie erst gar nicht negativ auffallen können. Die Menüs sind mit passender musikalischer Untermalung ausgestattet. So ist das ganze durchschnittlich, mehr aber leider auch nicht. So wäre also auch in diesem Bereich mehr drin gewesen.


Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

Schade, hier wurde viel Potential verschenkt. Das Game liefert eigentlich gute Rally Atmosphäre gepaart mit einem guten Fahrgefühl und auch spürbaren Auswirkungen des Untergrunds auf dieses. Leider hat man es aber verpasst, einen richtigen Kracher aus dem Spiel zu machen. Dazu wurde einfach zu wenig Liebe ins Detail gesteckt, was sich in der Präsentation, den eintönigen Strecken und wenig abwechslungsreichen Fahrmodi wiederspiegelt. Wenigstens hat man die aktuellen Lizenzen integriert. Trotz allem muss man festhalten, dass sich endlich mal wieder ein paar Entwickler an eine Art Rally Simulation getraut haben nach all den GRIDS und DIRTS dieser Welt, die ja ihren Fokus mehr auf spektakulärer Präsentation und actionlastigem Rennen gelegt hatten. MIT WRC wird uns eine Simulation präsentiert, an der Rally Liebhaber und Fans des Genres, die nicht nur auf die Optik fixiert sind, sicherlich und trotz allen Mankos eine Weile ihren Spaß haben werden!


Die letzten Artikel des Redakteurs:


positiv negativ
  • Sehr schöner und umfangreicher Karrieremodus
  • Spürbarer Untergrund inklusive Auswirkungen
  • Unterschiedliche Streckenszenarios
  • Angenehmes Fahrverhalten
  • Guter Lizenzumfang für Fahrer, Strecken und Fahrzeuge
  • Technisch nicht auf dem aktuellen Stand
  • Etwas unglaubwürdiges Schadensmodell
  • Wenig abwechslungsreich
  • Detailarmut
  • Teilweise und gerade für Einsteiger schwierig





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