Rocksmith

Rocksmith

Publisher: Ubisoft
Entwicklerstudio: Ubisoft
Genre: Geschicklichkeitsspiel
Sub-Genre: Musikspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 27.09.2012
USK 6

Rocksmith   16.10.2012 von Benji

Billige Plastikgitarren waren gestern. Mit Rocksmith will Ubisoft das Genre der Musikspiele revolutionieren. Wo der Spieler früher nur bunte Knöpfe im Takt gedrückt hat, gilt es jetzt echte Noten zu spielen. Doch was sich zunächst nur nach einer Profivariante von Guitar Hero anhört, entpuppt sich schnell als intelligent erdachte Lernsoftware für Autodidakten. Kann man mit diesem Spiel wirklich den Umgang mit der Gitarre lernen? Wir haben es ausprobiert …

 

Schon seltsam, wie sich das Leben so entwickelt. Als ich noch klein war, habe ich teilweise die verschiedensten Freizeitbeschäftigungen ausgekundschaftet. Na klar – als Kind probiert man alles aus und irgendwann im Reifeprozess findet man dann etwas, dass man gut kann und wird damit alt. Unter anderem haben meine Eltern damals versucht, mir die Musik nahe zu bringen. Eigentlich keine schwere Sache, da die Faszination für Klang und Rhythmus in jedem von uns steckt. Bei mir war das allerdings nicht ganz so einfach. In der Musikschule bestand der Unterricht am Anfang nur aus dem fröhlichen Rumhämmern auf Glockenspielen. Das war dann so spannend, dass ich jedes Mal dabei eingeschlafen bin. Meine Eltern gaben es also auf und nahmen mich von der Musikschule. Ich lernte den Computer zu lieben und Jahre später bin ich jetzt kein fetziger Musikreporter, sondern der nerdige Experte für Computerspiele und Filme.

 

Doch etwas aus dieser Zeit hat irgendwo in mir überlebt. Mein Interesse für die Musik ist immer noch vergleichsweise stark, und wenn es etwas gibt, dass ich in meinem Leben bereue, dann, dass ich es nie geschafft habe, ein Instrument zu lernen. Vor allem die Gitarre zieht mich immer wieder magisch an und spiegelt sich unter anderem in meinem Musikgeschmack wieder, wo vor allem der Rock 'n' Roll vorherrscht. Meine eigenen Prioritäten haben mich bis jetzt daran gehindert, dieses Manko auszuräumen, doch jetzt habe ich wirklich keine Ausrede mehr parat. Ubisoft hat mit Rocksmith den Gitarrenunterricht für Autodidakten geschaffen und endlich prallt meine Faszination für dieses Instrument auf meine Arbeit als Spieletester. Auf geht’s in die weite Welt des Rocks!


Deine Gitarre kennen du musst, junger Padawan

Als Instrument habe ich eine Epiphone Les Pauls Junior. Die Nachbildung einer recht bekannten Gitarre aus dem Hause Gibson. Sie ist beim Gitarrenbundle von Rocksmith dabei, dass man für stolze 200€ im Handel erwerben kann. Nachdem ich das beiliegende Kabel, dass von der Cinch-Buchse der Gitarre in den USB-Slot meiner PS3 geht, angesteckt habe, geht es ins Spiel. Aller Anfang ist schwer, wenn es um das Erlernen eines Instrumentes geht – könnte man meinen. Doch Rocksmith macht seinen Job als Tutor erstaunlich gut und holt mich bei den absoluten Basics ab. Zunächst muss ich meine Gitarre stimmen, und da diese gerade aus einem DHL-Wagen gekommen ist, gibt es hier einiges zu tun. Das Spiel hat für diesen Fall eine Hilfssoftware integriert und begleitet mich bei dem Prozess. Dabei zeigt es mir genau an, welche Saite ich wie stark anspannen muss, um das Instrument einsatzbereit zu machen. Als das erledigt ist, springe ich direkt in den ersten Song. Noch gibt es hier nicht viel zu tun. Ich spiele nur kleine Noten und das Spiel stoppt immer wieder, um mir zu zeigen, was zu tun ist bzw. an welchen Bund ich fassen muss und welche Saite ich anschlagen muss.

 

Das Interface ist dabei an die bekannten Vertreter im Genre angelehnt. Während die Noten kommen, befinden sie sich auf nummerierten Bahnen. Jede Bahn steht für ein Bund auf dem Gitarrenhals. Die Zuordnung geschieht im Vorfeld über Nummern, die dem Spiel beiliegen und die man dort ankleben kann. Welche Saite dann gespielt werden soll, das sieht man über die Farbe der kommenden Blöcke. Ein roter Block auf Bahn 3 heißt also, dass ich die oberste Saite spielen muss, während ich sie auf Bund 3 halte.

 

Übung macht den Meister

So einfach bleibt es allerdings nicht lange. Für mich als Anfänger hat das Spiel einen interessanten Karrieremodus vorbereitet. Mit jedem Stück wertet das Spiel meine Fähigkeiten aus. Dabei überprüft es, wie viele Noten ich getroffen habe, und an welchen Stellen ich Probleme habe. Gerade Letzteres wird benötigt, um zu verstehen, ob ich bestimmte Techniken beherrsche oder nicht. Der Schwierigkeitsgrad passt sich dem Spieler an, versucht aber auch ihn jederzeit neu herauszufordern. Gerade mal zwei Lieder spiele ich, dann kommt der erste Schock. Merkwürdige Symbole auf den Bahnen künden von speziellen Techniken an. Ein X auf dem Notenblock zeigt mir z. B. an, dass ich hier ein „Palm Mute“ spielen muss. Da ich zunächst überhaupt keine Ahnung habe, wie so etwas geht, verweist das Spiel direkt nach dem Lied auf eine „Technik-Herausforderung“. Diese sind geschickt genannte Workshops, in denen ich bestimmte Techniken lernen kann. Zunächst wird mir ein Video vorgespielt, das mir zeigt, was zu tun ist. Dann muss ich in einer kleinen Übung folgen, und wenn ich die bestanden habe, geht es in einen kleinen Song, bei dem ich die Technik anwenden muss.

 

So lerne ich also, dass „Palm Mutes“ gedämpft gespielte Noten sind. Während ich die Saite anschlage, halt ich dafür meine Handkante in Stegnähe an die Gitarre. Als Resultat können die Saiten nicht mehr wie gewohnt schwingen und der Ton erscheint nur kurz. Wieder etwas gelernt!

 

Bildergalerie von Rocksmith (10 Bilder)

Einige Techniken können durch kleine Minispiele ausgiebig geübt werden. Um etwa das Gefühl für die Bünde zu kriegen, kann man in einer Mischung aus Space Invaders und Duck Hunt kleine Polygon-Enten abschießen, die zufällig auf den Bahnen erscheinen. Diese Übungen sind zwar nur kurzweilig, verfehlen aber keinesfalls ihren Zweck. Schon nach einigen Stunden habe ich ein gutes Gefühl dafür, wo ich meine Hand für die einzelnen Bünde halten muss.

 

Diese Genugtuung bietet kein Plastikspielzeug

So schalte ich mir Lied für Lied und Stunde um Stunde neue Techniken und Minispiele frei. Dass ich tatsächlich besser werde, merke ich immer wieder an der Punktzahl. Während diese stetig höher wird, merke ich in den Liedern, wie ich immer mehr Noten spielen muss. Dabei werden die einzelnen Abschnitte des Liedes, noch während ich spiele, dynamisch angepasst. Schon nach einer Woche schaffe ich es, kleinere Abschnitte komplett zu spielen. Ein Erfolgerlebnis, das ich in der Form bei einem Guitar Hero nie erlebt habe. Denn hier spiele ich nicht nur fiktive Knöpfe, sondern ein richtiges Instrument, und was ich hier lerne, kann ich mit weiterführenden Übungen auch außerhalb des Spieles anwenden. Dabei sollte allerdings klar sein, dass ein Rocksmith immer nur der erste Anfang sein kann. Hardcore-Autodidakten sollten neben dem Spiel auf jeden Fall noch zu bekannten Lehrbüchern greifen, um ein Verständnis für die richtigen Grifftechniken zu bekommen. Allen anderen rate ich trotz des Spiels zum Besuch richtiger Gitarrenstunden, denn die hilfreichen Tipps eines Lehrers, der wirklich jede Bewegung analysieren kann, dürfte dieses Spiel nicht ersetzen können.

 

Abgesehen davon verlangt eine solche Lernweise eine enorme Disziplin. Denn zimperlich ist Rocksmith nicht gerade. Die Lernkurve ist mitunter ziemlich steil und zwangsläufig läuft man als Anfänger in Momente rein, in denen das Spiel einen überfordert. Dann kommen Frustmomente auf, die man nur mit der nötigen Willenskraft überwindet. Da hilft es dann nur, bestimmte Abschnitte immer wieder neu zu üben, was durch einen speziellen Modus sogar gezielt gemacht werden kann.

 

Wer braucht noch ein Leben, wenn er rocken kann?

Hat man dann erst mal einige Tricks auf Lager, und will seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen, dann kann man das Spiel mit verschiedenen Einstellungen in seinen eigenen Verstärker verwandeln. Durch den Fortschritt in der Kampagne ist es möglich, verschiedene Pedale freizuschalten. Diese stehen für einstellbare Effekte und bilden im Rock'n'Roll die eigentliche Magie. Denn eine E-Gitarre ohne entsprechende Effekte klingt nicht viel anders, als jede andere Gitarre. Das Geheimnis hinter einigen sehr bekannten Rocksongs ist also viel mehr, wie die Einstellungen im Hintergrund sind.

 

Wirklich langweilig kann es bei Rocksmith dadurch nicht werden, und weil Ubisoft immer wieder neue Lieder als DLC zur Verfügung stellt, kann man sich im Laufe seiner Gitarrenstunden regelmäßig an neuen Stücken versuchen. Wer dann noch neben der E-Gitarre sein Glück am Bass versuchen will, der geht in einen gesonderten Karriere-Modus. Die Bass-Erweiterung, die in den USA auch erst vor Kurzem erschien, wird in Deutschland direkt mitgeliefert. Worauf also noch warten? Plektrum greifen und loslegen!


Das Fazit von: Benji

Benji

Während ich hier schreibe notiert sich mein Gehirn in meinem imaginären Charakter-Sheet eine +5 auf Gitarrenspiel. Vielleicht wird aus meinem Textmagier ja doch irgendwann noch mal ein Barde, der die Frauen reihenweise zum Schwärmen bringt. Die Hoffnung habe ich auf jeden Fall noch nicht aufgegeben. Rocksmith ist ein tolles Spiel für Autodidakten, die den Weg in die Musikschule bis jetzt noch nicht gefunden haben. Ohne Eigeninitiative wird man allerdings nur wenig Spaß haben. Der Schwierigkeitsgrad zieht steil an und kann einen Misserfolg eben nicht vorhersehen. So gab es auch bei mir etliche Momente, wo ich aufgrund der schieren Überforderung nicht eine Note mehr getroffen habe. Die Belohnung ist dafür umso größer. Als ich zuletzt mit fast 80.000 Punkten aus dem Lied „Go with the flow“ von Queens of the Stone Age gegangen bin, wäre ich fast quer durch den Raum gesprungen. Ein einmaliges Gefühl, das ich bei Guitar Hero oder Rockband so definitiv noch nicht hatte.


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positiv negativ
  • Musikspiel mit echter Gitarre
  • Schöner Einstieg für Anfänger
  • Dynamisch anpassender Schwierigkeitsgrad
  • Inkl. Bass-Erweiterung
  • Herausforderungen und Mini-Spiele zum Üben
  • Fernseher wird zum digitalen Verstärker
  • Präsentation manchmal ein wenig dürftig
  • Schwierigkeitsgrad überfordert zeitweise





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