Cloud Atlas

Cloud Atlas

Originaltitel: Cloud Atlas
Genre: Science-Fiction / Fantasy
Regie: Tom Tykwer • Lana & Andy Wachowski
Hauptdarsteller: Tom Hanks • Halle Berry
Laufzeit: Ca. 172 Minuten
Label: Warner Home Video
FSK 12

Cloud Atlas   30.04.2013 von Benji

Wenn ganze Genres aufeinandertreffen, dann kann die Beschreibung eines Filmes schon mal kompliziert werden. Bei Cloud Atlas ergeben sechs unterschiedliche Geschichten ein Gesamtbild, das von Schicksal und Freiheit erzählt. Unser Filmexperte Benji hat sich in der Deutung des Wolkenatlas versucht und einige Erkenntnisse über die Zusammenhänge des Lebens erhalten …

 

Wie soll man einen Film beschreiben, der aufgrund seiner Geschichte und seiner Herkunft wohl gar nicht beschrieben werden kann? Es passiert nicht oft, doch in der hektischen Welt eines Filmkritikers, in der sich Meisterwerke Seite an Seite mit den fürchterlichsten Schundwerken reihen, mag es in den besonderen Momenten immer wieder vorkommen, dass dieser keine Worte für die Schönheit dessen findet, was vor ihm liegt.

 

Normalerweise würde ich diesen Artikel mit der Geschichte von Cloud Atlas beginnen. Doch da fangen die Probleme bereits an. Denn der Film, der auf dem gleichnamigen Roman von David Mitchell basiert, erzählt eben nicht nur die eine einfache Geschichte, sondern sechs zusammenhängende, welche sich in ihrer Zeitspanne über fast 500 Jahre erstrecken. Versuchen zu erklären, wie diese Geschichten dem Film sein Leben einhauchen, würde entweder den Umfang dieses Artikels sprengen oder aber in wirren unverständlichen Einzelbeschreibungen enden. Daher habe ich beschlossen, diesen Teil des Artikels zu überspringen.

 

Stattdessen ist es wohl sinnvoller, über die Botschaft von Cloud Atlas zu sprechen. Das Dogma das durch den etwas kurz geratenen Satz: „Alles ist verbunden“ auf Werbeplakaten locken soll, ist mehr als nur eine Idee. Tom Tykwer, Lana und Andy Wachowski haben versucht mit diesem Film die Essenz dessen zu beschreiben, was man weitläufig als Schicksal kennt. Jede wichtige Entscheidung die wir in unserem Leben treffen beeinflusst sowohl uns als auch unsere Umgebung. Daran denken wir aber leider nur in den seltensten Fällen. Am besten lässt sich das mit einem Beispiel erklären. Wenn wir uns entscheiden einen neuen Job anzutreten oder eine neue Wohnung zu mieten, dann folgt meistens daraus, dass wir neue Bekanntschaften machen. Jede Person, die wir neu kennenlernen, verkürzt die Verbindung zwischen unseren anderen Bekanntschaften und ihr.

 

Wir bringen also durch unsere Entscheidung die Leben unserer Mitmenschen unbewusst näher aneinander. Der Autor Frigyes Karinthy stellte dazu einst die These auf, dass alle Menschen durch maximal sechs Ecken miteinander verbunden sind. Die „six degrees of separation“ gelten heute noch in wissenschaftlichen Bereichen als wichtiger Ansatzpunkt um Netzwerke effizient zu beschreiben. Cloud Atlas zeigt unglaublich gut, wie dieses einfache Prinzip im Leben den besten Beweis für so etwas wie Schicksal darstellt. So kann es vorkommen, dass der beste Freund zu einer Party einlädt, die genau in der WG stattfindet, in der nur Tage zuvor die zukünftige Liebe ein Zimmer begutachtet hat. Oder es passiert, dass der christliche Gedanke eines einfachen Anwalts dank inspirierender Überlieferungen und eines wachsenden Netzwerkes fast 500 Jahre nachhallt.

 

Wusstet Ihr schon ...

Obwohl Cloud Atlas von Aufmachung und Inszenierung wie ein erstklassiker Hollywood-Blockbuster wirkt, gilt der Film doch als teuerste „deutsche“ Produktion. Alle namentlichen deutschen Filmförderfonds haben sich bei der Finanzierung dieses Projektes beteiligt, sodass Cloud Atlas zu großen Teilen tatsächlich ein deutscher Film ist.

All dies beschreiben die drei Regisseure in einem bildgewaltigen Epos, dass mit fast drei Stunden Laufzeit definitiv Akzente setzt. Ähnlich wie in David Mitchells Vorlage, werden die Geschichten mit jeweils eigenen Erzählstrukturen hinterlegt. Mal beschreibt ein allwissender Erzähler die Geschichte, mal wird sie durch das Vorlesen von Briefen aus der Sicht einer Figur erläutert. Neu ist hingegen die Komposition all dieser Geschichten, die nicht wie im Buch einer festen zeitlichen Struktur unterliegt, sondern sich an wiederkehrenden Ereignissen orientiert. Wie genau diese Erzählweise abläuft, lässt sich nur schwer beschreiben, sie erzeugt allerdings eine nahezu magische Atmosphäre, die den Zuschauer über die gesamte Dauer des Filmes trägt.

 

Eine wunderbare Idee war es dabei auch, die immer gleichen Schauspieler in die stets vergleichbaren Rollen durch die verschiedenen Geschichten hinweg zu besetzen. So wird die Aussagekraft der Regisseure in Bezug auf Themen wie Seelenverwandtschaft und Karma wunderbar unterstrichen. Einige Schauspieler kann man in ihren Masken gar nur schwer erkennen. Wer einige Überraschungen in dieser Hinsicht erleben will, der sollte sich den Abspann genauer ansehen, denn dort werden die einzelnen Charaktere, die jeder Schauspieler gespielt hat, noch mal gezeigt. Dennoch führt diese Besetzung mitunter zu seltsamen Kombinationen. So z. B., wenn Hugo Weaving als universelles Übel in die Rolle einer folternden Krankenschwester steigen muss, und dabei mit großer Oberweite eher zu unfreiwilligen Lachern animiert. Nahezu oscarreif dürfte aber die Arbeit von Tom Hanks sein, der in seiner Rollenvielfalt in diesem Film auf einmalige Art und Weise bewiesen hat, dass er absolut jeden Charakter spielen kann.

 

Es ist mühselig zu erklären, warum Cloud Atlas ein solch besonderer Film ist. Am ehesten ist die Qualität des Filmes begreifbar, wenn man aufhört, sich über die einzelnen Zusammenhänge den Kopf zu zerbrechen. Wenn man den Film mit seiner ganzen Magie und seiner melancholischen Stimmung auf sich wirken lässt, ist wohl die Botschaft des Gesamtergebnisses am besten zu verstehen. Mit jeder Entscheidung die wir tätigen, verändern wir unsere Welt und deren Zukunft. Jeder von uns ist also wichtig, und wir alle besitzen damit den gleichen hohen Wert. Ein Fakt, den wir leider nur zu oft vergessen.

 

Kommen wir noch kurz zur Qualität der Blu-ray. Das Bild ist unglaublich gut geworden, weist kaum ein Bildkorn auf und kann durch seine großartigen Details und der Schärfe punkten. Viele Details wie zum Beispiel der Sand am Strand sehen detailreich und verdammt echt aus, was unter anderem auch die brillanten Farben ausmachen. Ebenso hat sich Warner ins Zeug gelegt, was die Tonspuren angeht. Egal ob man die Originalstimmen oder die deutsche Übersetzung anhören möchte, alle Lautsprecher werden hervorragend angesteuert. Die Dialoge sind klar und deutlich zu verstehen und auch die Effekte kommen präzise rüber. 



Cover & Bilder © www.sofahelden.de


Das Fazit von: Benji

Benji

Erstklassige Schauspieler und eine wunderschöne Bild- und Tonkomposition machen Cloud Atlas jetzt schon zu einem modernen Klassiker. Die Geschichte von David Mitchell wurde auf einmalige Weise verfilmt. Dabei wurde sie aber vor allem durch die Interpretation der einzelnen Geschichten in einem zeitlichen Zusammenhang auf wunderbare Weise für Themen wie Schicksal und Reinkarnation geöffnet. Es dürfte schwer sein die vielen komplexen Botschaften, nach bereits einem Kinobesuch zu verstehen. Aber genau das macht die Magie von Cloud Atlas aus.


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