Jimmy P. - Psychotherapie eines Indianers

Jimmy P. - Psychotherapie eines Indianers

Originaltitel: Jimmy P.
Genre: Drama
Regie: Arnaud Desplechin
Hauptdarsteller: Benicio Del Toro • Mathieu Almaric
Laufzeit: DVD (117 Min) • BD (117 Min)
Label: Edel Germany GmbH
FSK 12

Jimmy P. - Psychotherapie eines Indianers   10.01.2015 von DeWerni

Als Jimmy Picard im Zweiten Weltkrieg aus einem Jeep an der Front stürzt, sind die Folgen noch nicht abzusehen: Er kehrt als Veteran nach Kansas zurück, ihn plagen Übelkeit, Sehstörungen und Verlust des Hörvermögens. In der geschlossenen Krankenanstalt wird er weiter untersucht. Doch die Ärzte können nichts finden, bis ein Psychoanalytiker tief in Jimmys Psyche eindringen kann …

 

Der Blackfoot-Indianer Jimmy Picard (Benicio Del Toro) hat es im Jahre 1948 hart erwischt. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg in Frankreich aus einem Jeep gefallen ist und sich einen Schädelbruch zugezogen hat, arbeitet er auf der Farm seiner Schwester Gayle (Michelle Thrush) und gilt als Kriegsveteran. Doch als er während der Arbeit oftmals durch Sehstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Hörverlust geplagt wird, beschließt die Army, ihn ins Winter Veteran Hospital in Topeka einzuweisen. Doch durch die Untersuchungen stellt sich schnell heraus, dass er an keinen physischen Verletzungen oder Nachwehen leidet, auf den ersten Blick scheint er völlig gesund. Daraufhin wird bei ihm Schizophrenie vermutet, er wird in die geschlossene Anstellt gesteckt, in der er sich sichtlich unwohl fühlt.

 

Doch endlich scheint er ein wenig Vertrauen zu gewinnen. Der leitende Arzt Dr. Karl Menninger (Larry Pine) beschließt, einen lang bekannten Kollegen aus Brooklyn zu konsultieren: Georges Devereux (Mathieu Amalric) ist bekennender Indianer-Experte und hat selbst drei Jahre im Stamm der Mohave verbracht. Der Psychoanalytiker nimmt sich Jimmy an und therapiert ihn täglich eine Stunde. So gewinnt er sein Vertrauen und versteht zudem Stück für Stück mehr sein Leben und seine Hintergründe. Schnell kann er dem Hospital dadurch bestätigen, dass der Blackfoot-Indianer mit Sicherheit nicht schizophren ist. Und so gelingt es ihm, immer mehr Details tief aus Jimmys Psyche an die Oberfläche zu spülen: den Tod einer Freundin in seiner Kindheit, das Fremdgehen seiner Mutter und sexuelle Übergriffe. Außerdem hat ihn das Drama um seine erste große Liebe Jane bis heute nicht losgelassen. Unglückliche Umstände führten zur beiderseitig nicht gewollten Trennung. Jane ist vor nicht allzu langer Zeit an den Folgen einer Operation gestorben, gerade als sich das zugrundeliegende Missverständnis aufklären sollte. Eine Tochter ist aus der verlorengegangenen Liebe hervorgegangen – eine Tochter, die er bisher nur durch Briefkontakt kennt. All das hat anscheinend zu diversen Komplexen und psychischen Erkrankungen geführt. Doch durch die Therapie fängt er sich nun endlich Stück für Stück sichtlich und seine Leiden psychischer und physischer Art lassen nach, bis eines Tages ein eigentlich bedeutungsloses Ereignis die ganze Arbeit wieder auf den Kopf zu stellen scheint …

 

Bildergalerie von Jimmy P. - Psychotherapie eines Indianers (14 Bilder)

Was ist der wahre Grund für die Leiden des Jimmy P.? Gibt es für ihn eine Therapie, die ihn langfristig wieder gesunden lässt? Und welche Schicksalsschläge musste Jimmy in seinem Leben noch verkraften?!

 

Technisch liegt das Werk grundlegend auf hohem Niveau. Die Bilder sind meist scharf gehalten und die kräftigen Farben dominieren. Hin und wieder wirken einzelne Szenen etwas grobpixelig, was dem Setting in den 1940er Jahren allerdings zugutekommt. Der Kontrast ist etwas zu steil gewählt, der Schwarzwert sehr satt. In Summe können so die helleren Einstellungen überzeugen, während in den dunkleren Szenen einzelne Details durchaus untergehen können. Vom audiotechnischen Bereich kann man an dieser Stelle nicht zu viel erwarten. Genretypisch ist das Geschehen sehr dialog- und damit frontlastig umgesetzt, sodass es kaum Audioeffekte gibt. In wenigen Einstellungen kommt nichtsdestotrotz etwas Raumklang auf, die Dialoge bleiben jederzeit sehr gut verständlich. In Summe liegt die technische Umsetzung des Werks im HD-Bereich auf gutem Niveau, ohne vollends zu überzeugen.


Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

Psychoanalytische Dramen können schnell an Langatmigkeit leiden und deswegen als schwere Kost eingestuft werden. Mit Jimmy P. bekommt der Zuseher hier ein etwas zweischneidiges Werk geliefert. Auf der einen Seite kann der Film durchaus interessante Aspekte liefern, auf der anderen Seite ist er dann aber aus meiner Sicht – gerade gegen Ende – etwas zu langatmig geraten. Der Kriegsveteran und Blackfoot-Indianer Jimmy Picard bewegt sich dabei immer zwischen Freund und Feind, zwischen Besserung und erneutem gesundheitlichem Absturz. Der Film zeigt das Seelen- und psychische Leiden auf seine eigene Art und Weise und versucht dabei auch immer, den nicht einfachen Werde- und Lebensverlauf des Indianers zu berücksichtigen. Wer sich für die Biografie eines Blackfoot-Indianers unter nicht immer einfachen Umständen begeistern kann, sollte unbedingt zuschlagen. Allen anderen würde ich raten, das Werk mit Vorsicht zu genießen – schwere Kost!


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