Die Edelsteintrilogie

Die Edelsteintrilogie

Originaltitel: Die Edelsteintrilogie
Genre: Fantasy • Abenteuer
Regie: Felix Fuchssteiner
Hauptdarsteller: Maria Ehrich
Laufzeit: DVD (335 Min) • BD (350 Min)
Label: Concorde Home Entertainment
FSK 12

Die Edelsteintrilogie   12.12.2016 von Mario von Czapiewski

Im Zuge des dritten Teils der Edelsteintrilogie mit dem Titel Smaragdgrün, erschien gleichzeitig zur Heimkinoveröffentlichung eine Gesamtbox mit allen drei Teilen dieser Filmreihe über Concorde Home Entertainment. Ein klarer Grund hier einmal näher hinzuschauen und diese deutsche Filmreihe kurz Revue passieren zu lassen.

 

In der Familie von Gwendolyn Shepherd (Maria Ehrich) dreht sich alles um ein ganz besonderes Zeitreise-Gen, das Familienmitglieder befähigt in vergangene Tage zurückzureisen und dort kurzzeitig zu verweilen. Dies ist jedoch nicht nur Segen, sondern auch Fluch, da dies gerne auch unkontrolliert passieren kann. So muss Gwendolyn sich einer Zeitreiseausbildung unterziehen, bei der ihr der Umgang mit dieser Eigenschaft gezeigt wird. Dabei lernt sie den gutaussehenden Gideon de Villiers (Jannis Niewöhner) kennen, mit welchem sie im Zuge dieser Ausbildung auf ein Familiengeheimnis stößt, welches sie über drei Filme aufzulösen versuchen.

 

Die Edelsteintrilogie ist ursprünglich eine Buchreihe der deutschen Autorin Kerstin Gier gewesen, die in Deutschland im Zuge der Twilight-Hysterie und ihrer Trittbrettfahrer erschien. Ebenfalls in drei Bänden erzählten die Romane eine fantasievolle Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen innerhalb verschiedener Zeiten. Zurecht war diese abgewandelte Version einer kitschigen Jugendliebesgeschichte im Stile amerikanischer Vorbilder erfolgreich und überzeugte durch eine verzweigte Handlung, sympathische Charaktere und einen ernstzunehmenden, für Jugendbuchverhältnisse erwachsenen Ton. Da Buchverfilmungen in Deutschland immer eine ganz große Nummer sind, entschied man sich dann im Zuge zahlreicher amerikanischer erfolgreicher Jugendfilme, diese Buchreihe ebenfalls als Film ins Rennen um die Gunst der Jugend zu schicken. So entstanden nacheinander Teil 1 namens Rubinrot, Teil 2 namens Saphirblau und schlussendlich der dritte Film mit dem Titel Smaragdgrün.

 

Leider jedoch bekam man mit den Verfilmungen der Buchreihe am Ende nur sehr halbherzig umgesetzte Buchverfilmungen vorgesetzt, die sich oft nicht entscheiden konnten, ob sie nun lieber Kinder oder ein älteres Publikum bedienen möchten. Rubinrot startete bereits mit schwierigen Voraussetzungen. Wurden für die beiden Hauptfiguren mit Maria Ehrich (Für Elise) und Jannis Niewöhner (Doktorspiele) zwei fähige Jungdarsteller besetzt, griff man bei Teilen der Nebendarsteller jedoch in die ganz tiefe Mottenkiste. Während Deutschfilmdauergast Veronica Ferres (Der Nanny) als Mutter von Gwendolyn wie reingezwungen wirkt, wurden auch gute Darstellerinnen wie Josefine Preuß (Türkisch für Anfänger) völlig neben der Spur besetzt. So spielt sie im Speziellen eine inhaltlich wichtige Nebenfigur, die jedoch die meiste Zeit nur in völlig unpassend-grotesker Kostümierung durch sterile TV-Kulissen staksen darf. Hier offenbart sich ein weiteres Problem der Reihe, dass tatsächlich alle drei Filme gleichermaßen betrifft. So hat man durch die merkwürdig sterilen, künstlichen Kulissen, die TV-artige und extrem künstlich-fantasievolle Ausleuchtung sowie die übertriebenen und billig-wirkenden Kostüme oft das Gefühl einen Fernsehfilm zu schauen. Da reichen auch die wenigen gelungenen computergenerierten Effekte nicht, diesen Eindruck zu relativieren. Da alle drei Filme mit verhältnismäßig kleinen Budgets gedreht wurden, ist die Grundlage für dieses Problem offensichtlich. Leider jedoch sind aufwendige Fantasyfilme mit hohem Kostüm- und Kulissenanteil für solche Budgets überhaupt nicht geeignet und das merkt man an allen Ecken und Enden. So muss man ebenfalls Frieden damit schließen, dass die in England spielende Geschichte augenscheinlich in deutschen Städten gedreht wurde und dass im Buch beschriebene, aufwendige zu inszenierende Effekte sehr stark vereinfacht wurden.

 

Auch die Geschichte des Buches sowie einige Charaktere wurden stark verändert. Vor allem im ersten Teil wird schnell deutlich, dass man sich noch nicht hundertprozentig sicher war, ob es einen Nachfolgefilm geben wird. So wurde vieles umgeändert, so dass viele vermeintlich wichtige und benötigte Elemente schon im ersten Teil stattfinden konnten. In Teil 2 und Teil 3 wurde dieses dann weiter fortgesetzt, was vor allem beim dritten Teil seitens Fankreisen zu deutlicher Kritik führte. Wer also halbwegs respektvolle Buchverfilmungen erwartet, wird ziemlich schnell enttäuscht werden.

 

Bildergalerie von Die Edelsteintrilogie (11 Bilder)

Doch als eigenständige Filme funktionieren diese abgefilmten Theateraufführungen mit Teenieausrichtung ebenfalls kaum. Während die ganze Geschichte um die Geheimorganisation der Loge des Grafen von Saint Germain in teils recht düsteren Tönen erzählt wird, flattert ab dem zweiten Teil eine alberne CGI-Figur namens Xemerius durchs Bild, die mit ihrem quietschig-albernen Ton nebenbei mit der Buchvorlage ebenfalls so gut wie nichts mehr gemein hat und sich so kaum sinnvoll in den Film integriert. Eindeutig ist, dass man verzweifelt versucht hat einen Spagat zwischen Kinderfilm und Jugendunterhaltung zu erwirken, welcher leider in allen drei Filmen kaum erfolgreich vollführt wurde. Auch erzählerisch sind Teil 1 und vor allem Teil 2 und 3 sehr wirr geraten, wodurch die Filme oftmals an vielen Stellen sehr fragmentarisch zu sein scheinen.

 

Damit ist die Edelsteintrilogie am Ende ein sehr trashiges Filmerlebnis geworden, dem man nur mit viel Augenzwinkern und viel Sympathie für in Deutschland geförderte Filmproduktionen irgendwelche Unterhaltungswerte abgewinnen kann. Auf einem internationalen Markt, der von Jugendfilmalternativen in den letzten Jahren nur so überflutet wurde, geht die Edelsteintrilogie leider mit wehenden Fahnen unter.  (3/10)

 

Eine alternative Meinung, zumindest über die ersten beiden Teile Rubinrot und Saphirblau, gibt es bei uns ebenfalls zu lesen.

 

Die DVD-Box der Trilogie hingegen ist fürstlich ausgestattet. Man erhält alle drei Teile der Filmreihe in den bereits veröffentlichten Einzelversionen, welche ebenfalls alle Bonusmaterialien dieser Veröffentlichungen enthalten. Zusätzlich dazu findet sich eine Bonus-DVD in der Verpackung, die bisher unveröffentlichtes Bonusmaterial bereitstellt. Über Art und Qualität dieses Materials kann an dieser Stelle jedoch keine Auskunft gegeben werden, weil dieses nicht zur Rezension zur Verfügung stand. Interessenten der Filmreihe bekommen dennoch mit dieser Gesamtbox ein sehr umfangreiches Gesamtpaket geboten.


Das Fazit von: Mario von Czapiewski

Mario von Czapiewski

 

Die Edelsteintrilogie ist ein schwacher Versuch mit Erfolgsreihen wie Die Tribute von Panem oder Twilight mitzuhalten. Schwierige Besetzungen, wirre Erzählweisen, trashige Ausstattung und eine über allem schwebende TV-Optik machen aus dieser Möchtegern-Hochglanz-Produktion ein trauriges Erlebnis für Anhänger der Buchreihe oder Fantasyfans. Wer sich dennoch für die Filmreihe interessiert, bekommt mit der Trilogie-Box ein umfangreiches Gesamtpaket geboten.


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