Asterix & Obelix XXL2

Asterix & Obelix XXL2

Publisher: Astragon
Entwicklerstudio: MICROIDS
Genre: Action Adventure
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 29.11.2018
USK 6

Asterix & Obelix XXL2   19.12.2018 von LorD Avenger

Ursprünglich erschien Asterix & Obelix XXL2 als Sequel mit dem Untertitel Mission: Las Vegum 2006 für Windows und PlayStation 2. Um den Weg für den bereits angekündigten dritten Teil zu ebnen, veröffentlicht hierzulande Astragon nun das zeitgemäße HD Remaster mit unzähligen Anspielungen auf nicht mehr ganz zeitgemäße Videospielklassiker...

 

Inhalt

 

Ist Miraculix ein Verräter? Als der für den legendären Zaubertrank verantwortliche Gallier-Druide auf seine Kollegen aus ganz Europa trifft, werden diese kurzerhand von den Römern überrascht und dingfest gemacht. Miraculix wird seither vermisst, weswegen sich Asterix und Obelix kurzerhand auf die Suche nach ihm machen - denn Cesar wittert seine Chance das letzte Dorf in ganz Gallien zu erobern, das ihm noch Widerstand leistet und schickt seine Flotten aus. Die beiden unerschrockenen Helden landen in Las Vegum, einem noch nicht eröffneten römischen Vergnügungspark, der mit seinen verschiedenen Themenwelten für die diversen Eroberungsgebiete Cesars steht. Hier wurde Miraculix zuletzt gesehen, doch sie verpassen ihn stets knapp, da es überall nur so vor Römern wimmelt. Einer von ihnen, Sam Shieffer, ist allerdings ein Spion mit Sympathien für die Gallier und hilft ihnen mit Rat und Tat aus.

 

Hommagen und Parodien

 

Die ganz große Stärke des Games sind die zahllosen Anspielungen und Parodien auf Videospiele der 90er- und frühen 2000er-Jahre. Angefangen bei Sam Shieffer, der mit seiner ikonischen, grün leuchtenden Nachtsichtbrille eine unverblümte römische Version von Sam Fisher aus Splinter Cell ist, über Cesars sonderbaren dickbäuchigen Zenturion Larry Craft, der in dem leicht wiederzuerkennenden Outfit von Lara Croft aus Tomb Raider steckt. Man muss also gar nicht mal so genau hinsehen, um die quasi gar nicht versteckten Eastereggs ausfindig zu machen - gerade unter den verschiedenen Gegnertypen springen einem die diversesten Videospielikonen entgegen. Einige Römer - die schnellsten natürlich - tragen ein Sonic-Kostüm und schlagen mit Ringen auf Asterix und Obelix ein, andere wiederum schnappen mit einem Pacman-Schild nach einem. Einer der nervigsten Gegner im Spiel ist ein Klon des wohl berühmtesten Klempners der Welt, mit dickem Schnäuzer, "Yahoo!"-Ausrufen und einer Wasserspritzpumpe auf dem Rücken, die beinahe augenblicklich an Super Mario Sunshine erinnert. Auch gibt es einen Street Fighter-Römer, der Ryus Haduken-Energieball beherrscht.

 

Abseits der animierten Figuren allerdings gibt es noch weit mehr zu entdecken. Steintafeln an den Wänden zeigen ganz eindeutig Toad oder Peach aus Super Mario oder eine mit Römerhelm verkleidete Variante von Daxter aus Jak & Daxter. Plakate im Zugang zum Kolosseum lehnen nicht nur an diverse Tomb Raider-Cover an, sondern sogar an alte Ego-Shooter wie Quake oder Unreal Tournament. Wirft man auch einen Blick auf die vor den Häusern hängenden Schilder in der Spielwelt, wird einem sicher auch der kleine Drache aus Bust-A-Move auffallen. Eine große verschiebbare Bombe mit Bomberman-Gesicht zerstört Tetris-Blokaden. Es gibt jede Menge weitere Eastereggs, deren Entdeckungen mindestens genauso viel Spaß machen wie in Ready Player One. Aber auch vom Games-Bereich abgesehen wird man Spaß haben, wenn Cesar Matrix zitiert oder WCs in römischen Lettern mit RESTRVM ausgeschildert sind. Dahingehend wird das Spiel seiner Vorlage also zweifelsfrei gerecht - die Asterix-Filme und -Comics sind schließlich bekannt dafür, moderne Dinge und Verhalten in die Zeit der Gallier zu befördern und selbstironisch damit zu spielen.

 

Gameplay

 

Das Action-Adventure spielt in einer relativ geradlinigen Open World. Nach und nach schaltet man neue Bereiche frei, kann aber jederzeit - auch mithilfe einer Schnellreise-Funktion - überallhin zurückkehren. Das Spiel an sich erfordert das zwar nicht, aber optionale Aufgaben wie zu sammelnde Kristallhelme und Postkarten, ebenso wie Kampfherausforderungen können so auch im Nachhinein noch wahrgenommen werden. In gewohnter Asterix-Manier ist das Kernelement des Spiels das Vermöbeln von Römern, die an jeder Ecke auf einen warten. Relativ simple Kommandos ermöglichen das Schlagen, Treten und Packen/Werfen. Ersteres ist eine Funktion, die ich überraschenderweise im gesamten Spiel nahezu gar nicht eingesetzt habe, da selbst die schlaksigsten Fußsoldaten eine ermüdende Menge von Schlägen einstecken können, bevor sie buchstäblich aus den Latschen gehauen werden. Tritt man sie hingegen, sind sie benommen und können gepackt werden, wodurch Asterix oder Obelix den Römer über dem Kopf im Wirbel herumschwingen und damit auch alle Umstehenden angreifen. Zusätzlich lassen die gepackten Römer sich entgegen sämtlicher physikalischer und biologischer Gesetze wie eine Peitsche schwingen, mit einer kleinen Druckwelle auf den Boden schleudern oder werfen, wodurch das getroffene Ziel in der Regel ebenfalls benommen wird. Ein weiterer Vorteil dieses Vorgehens: Schwingt man einen Römer über dem Kopf ist man nahezu unantastbar und selbst in der größten Gegnermasse relativ sicher vor Angriffen. Wie oben bereits beschrieben variieren die Römer in ihrem Auftreten und somit auch in ihrer Art zu kämpfen - gut gepanzerte oder mit einem Schild versehene Soldaten beispielsweise müssen mehrfach angegriffen werden oder man muss einen bestimmten Zeitpunkt nach ihrem Angriff abwarten, um sie selbst verletzen zu können. Auch hier kann das über dem Kopf schwingen eines Römers allerdings Lücken in der Verteidigung finden. Einige Gegner, wie die gliederlosen Rayman-Römer oder die untoten Zombies zerfallen nach genug Schaden, ihre Überreste müssen anschließend aber noch mit einer Arschbombe völlig zerstört werden, da sie ansonsten wieder auferstehen. Genug Abwechslung sollte man also meinen, aber selbst mit den im Shop gekauften Upgrades und Techniken ändert sich das Kampfsystem im Grunde überhaupt nicht und das Spiel erschlägt einen wirklich alle fünf bis zehn Minuten mit unaufhörlichen Gegnermassen, die fast schon einem Dynasty Warriors würdig wären. Ein herunterlaufender Zähler am Bildschirmrand signalisiert meistens, wie viele Römer noch besiegt werden müssen, bevor man den Bereich wieder verlassen darf und wenn diese Zahl im 100er-Bereich liegt (oder selbst noch darunter), weiß man bereits, dass einige lange und dröge Minuten mit denselben Tastenbefehlen auf einen zukommen.

 

Die einzigen Abwechslungen im Kampf stellen die Bosse und das Geschütz dar. Letzteres wird zusammen mit fliegenden und bomben-werfenden Gegnern vorgestellt, die man anvisieren und abschießen muss - eine willkommene Abwechslung, die beim dritten und vierten Mal allerdings auch schon wieder vollkommen unnötig überstrapaziert wird mit hunderten identischen Gegnern in einer nicht abbrechenden Abfolge. Bei den Bossen verhält es sich ähnlich - abgesehen von einer kaum erwähnenswerten Ausnahme konfrontiert das Spiel uns mit dem immergleichen Riesen, der in drei Runden auf identische Weise besiegt werden muss in einer Umgebung, die jedes Mal aufs Neue dazu einlädt, in einen endlosen Abgrund zu fallen oder gestoßen zu werden - was natürlich zur Folge hat, den kompletten, ermüdenden Kampf von vorne zu beginnen. Lediglich die Umgebungsbedingungen ändern sich ein wenig in den Kämpfen und auch beim finalen Fight lässt man sich nichts Besseres einfallen als denselben Riesen mit sämtlichen Gegnertypen des Spiels zu paaren.

 

Ich hätte mir wirklich - wie ich es auch von anderen Asterix-Games kenne - mehr Minispiele gewünscht. Anstatt all diese verschiedenen Anspielungen an Wänden und in Kostümen zu verstecken, hätte man ruhig ein wenig damit arbeiten können, um Abwechslung, Spaß und noch ein wenig mehr Nostalgie einfließen zu lassen. Das einzige Minispiel, das ebenfalls hoffnungslos überstrapaziert wird, ist Asterix, der auf einer Art Schaukel an Seilbahnen entlangfährt und durch Schwingen Hindernissen ausweichen soll. Ansonsten besteht das Spiel nur noch aus Aufgaben, die zusammengenommen die Schlösser der nächsten Tür öffnen - und die Aufgaben bestehen selbstredend nahezu immer aus Römer-Verdreschen... Der Umstand, dass man beliebig zwischen Asterix und Obelix wechseln kann, ist auch ernüchternder als es klingt - im Kampf verhalten sie sich nämlich beide gleich und es gibt lediglich zwei Vorteile die jeder in der richtigen Umgebung jeweils hat (Asterix kann durch enge Durchgänge schlüpfen und die Seilbahn fahren, Obelix kann sich aus einer Art Kanone feuern lassen und dafür vorgesehene Wände zerschlagen). Das Spiel wäre eigentlich für einen 2-Spieler-Modus im Stile von Knack prädestiniert gewesen, dies wurde allerdings nicht implementiert.

 

Bildergalerie von Asterix & Obelix XXL2 (29 Bilder)

Grafik

 

Ganz großes Lob an die Optik, denn man sieht dem Spiel in keinem Moment mehr an, dass es ursprünglich für die PS2 erschienen ist. Naja, fast in keinem Moment - dummer- und unerklärlicherweise hat man die Zwischensequenzen beibehalten, die in ihrer Auflösung schon etwas schwächeln - was aber halb so wild wäre, wenn sie nicht eingerahmt mit jeder Menge Luft drumrum angezeigt werden würden, obgleich sie das passende 16:9-Format haben, um auch den gesamten Bildschirm auszufüllen. Davon abgesehen besticht das Spiel aber mit flüssigen Bewegungsanimationen und kräftigen bunten Farben, die auf Anhieb Spaß machen. Selbst in den Texturen von Böden oder Wänden sind selten gravierende Mängel zu erkennen - das haben aktuelle Titel, die neu für unsere Generation entwickelt wurden, schon schlechter gemacht.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Ich habe bei der Bewertung sehr mit mir gerungen, muss ich zugeben. Das Spiel wird mir überwiegend positiv in Erinnerung bleiben, weil allein die ganzen implementierten Anspielungen auf die Gaming-Kultur, mit der ich aufgewachsen bin, so viel Spaß gemacht haben und so markant waren. Leider hat man scheinbar den Großteil der Energie in diesen Punkt einfließen lassen, sodass andere, eigentlich deutlich wichtigere Elemente des Spiels auf der Strecke blieben. Die schön gestaltete, abwechslungsreiche Spielwelt wird mit den andauernden, sich ewig hinziehenden Kämpfen dröge gemacht und zwischen dem einen und dem nächsten Kampf hat man im Grunde genommen keine andere Aufgabe, als auf der Suche nach Helmwährung Kisten zu zerstören, um damit im Shop Erweiterungen zu kaufen, die im Kampf absolut keine merkbare Veränderung herbeiführen. Ein Yooka-Laylee z.B. mit seinen zahlreichen Minispielen, abwechslungsreichen Boss-Fights und optionalen aber umfangreichen Sammelaufgaben hat das deutlich besser hinbekommen. Sieht man von den unangetasteten Zwischensequenzen ab, ist es optisch aber immerhin ein sehr gelungenes Remaster, das in seiner Form auch ebenso gut direkt für die PS4 hätte entwickelt werden können.


Die letzten Artikel des Redakteurs:


positiv negativ
  • Unzählige witzige Anspielungen auf Games der 90er und 2000er
  • Schöne 3D-Grafik mit kräftigen Farben
  • Abwechslungsreich gestaltete Spielwelt
  • Leider keine 2-Spieler-Möglichkeit trotz des prädestinierten Asterix & Obelix-Teams
  • Eintöniges, dröges Kampfsystem
  • Sämtliche der wenigen Spielelemente werden vollkommen überstrapaziert
  • Verbesserungen und neue Techniken aus dem Shop haben keinen spürbaren Einfluss auf das Gameplay





Kommentare[X]

[X] schließen