Ready Player One

Ready Player One

Originaltitel: Ready Player One
Genre: Sci-Fi
Regie: Steven Spielberg
Hauptdarsteller: Tye Sheridan • Olivia Cooke • Ben Mendelsohn
Laufzeit: DVD (134 Min) • BD (140 Min)
Label: Warner Home Video
FSK 12

Ready Player One   06.09.2018 von LorD Avenger

Im Jahre 2045 treibt sich der Großteil der Menschheit in der virtuellen Welt von OASIS herum, um der heruntergekommenen, realen Welt zu entfliehen. Viele von ihnen sind auf der Suche nach den drei legendären Schlüsseln, die der OASIS-Gründer vor seinem Tod in der gigantischen VR-Welt versteckte...

 

Inhalt

 

Waise Wade Watts - Superhelden-ähnlich benannt im Alliterationsstil á la Peter Parker - lebt in den Stacks, einem aus dem Schrott und Müll am Boden ragenden Trailerpark. Sein Trost und der vieler anderer Menschen seiner futuristischen Zeit ist die Flucht in die Virtual Reality von OASIS, einer Software, in der man sich mit Avataren anderer Spieler verabreden kann, um in diverse Games einzutauchen. Davon abgesehen, dass er ein herausragender Zocker ist, verehrt er auch noch nach wie vor den kürzlich verstorbenen OASIS-Erfinder James Halliday, über den er nahezu alles weiß. Ein unerlässlicher Vorteil auf der Suche nach dem ultimativen Easteregg, das Halliday in der nahezu grenzenlosen virtuellen Welt versteckt und mit drei ebenso versteckten Schlüsseln geschützt hat. Neben ihm und seinen Online-Freunden ist allerdings auch der Geschäftsführer von OASIS-Konkurrent IOI auf der Jagd nach dem Schatz, denn dem Finder werden automatisch sämtliche von Hallidays Geschäftsanteilen zugeschrieben sowie die Kontrolle über OASIS...

 

Ready Player One basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ernest Cline aus dem Jahre 2011, in dem er seine nostalgischen Erinnerungen und Gefühle an die Popkultur speziell der 80er-Jahre verarbeitete. Die Verfilmungsrechte waren bereits verkauft, bevor der Roman überhaupt erschien. Und genauso fühlt sich der Film an: Wie ein nostalgisches Feuerwerk mit fast schon dokumentarischen Tendenzen, das jedem 80er- und 90er-Enthusiasten und im Grunde genommen auch jedem Nerd die Freudentränen in die Augen treiben wird. In der Overworld, bzw. dem Eingangsbereich der OASIS tummeln sich genau wie bei Ralph reicht's bereits unzählige Charaktere im Hintergrund, sei es Marvin, der Marsianer von den Looney Tunes, eine kleine Hello Kitty oder die ikonische Tracer aus dem PC-Spiel Overwatch. Am großen Rennen für den ersten Schlüssel nimmt der Protagonist selbstverständlich im DeLorean aus Zurück in die Zukunft teil, während er das Batmobil aus dem 1966er Film Batman hält die Welt in Atem überholt, dem T-Rex aus Jurassic Park (übrigens beides Filme, in denen Spielberg selbst seine Finger im Spiel hatte) und King Kong ausweicht. Im Verlauf der Handlung erkennt man dann auch noch bekannte Charaktere aus Games wie Street Fighter (die ebenfalls schon bei Ralph reicht's vertreten waren), Mortal Kombat und Battletoads. Ganz zu schweigen von offenen Anspielungen auf andere Filme, wie ein Indiana Jones-Poster im Hintergrund, ein Clark Kent-Kostüm, der über den Himmel fliegenden Firefly, sofort wiederzuerkennenden Soundeffekten aus Zurück in die Zukunft oder die geniale an Kubricks Film angelehnte The Shining-Sequenz, die als Ersatz für das Blade Runner-Kapitel aus dem Buch diente, da die Rechte daran aufgrund der parallel gelaufenen Produktion von Blade Runner 2049 tabu waren. Überhaupt mussten die Macher sich mit deutlich mehr Rechte-Streitereien auseinandersetzen als der Autor der Romanvorlage und Vieles konnte nur aufgrund von Spielbergs Einfluss bewerkstelligt werden. Dennoch sah man sich gezwungen, z.B. den beabsichtigten Ultraman gegen The Iron Giant auszutauschen, wobei man aber stets darauf bedacht blieb, der Epoche und Popkultur treu zu bleiben, der man Hommage zollte.

 

Die Darsteller sind größtenteils eher unbekannt oder waren es zumindest zum Zeitpunkt des Castings. Hauptdarsteller Tye Sheridan mimte seither den Scott Summers / Cyclops in X-Men: Apocalypse, sein weibliches Gegenstück Olivia Cooke war in Bates Motel zu sehen. Bekannter wird es da schon mit Simon Pegg als Mitbegründer von OASIS, der aber mehr eine Gastrolle einnimmt sowie den Bösewicht spielenden Ben Mendelsohn, den Steven Spielberg genau wie ich erstmals in der Serie Bloodline gesehen hat - im Gegensatz zum Regisseur mag ich den Kerl seither allerdings überhaupt nicht, obgleich seine Karriere derzeit mit Filmen wie Star Wars: Rogue One, The Dark Knight Rises und bald Captain Marvel auf Hochtouren läuft. Selbst der seit 1985 aktive Schauspieler Mark Rylance, der Halliday spielt, hat nicht gerade einen prall gefüllten Lebenslauf. Einen guten Job machen sie nichtsdestotrotz alle. Oh, und nicht zu vergessen T.J. Miller aus den Deadpool-Filmen, der lediglich seine Stimme leiht - das aber absolut großartig.

 

Bildergalerie von Ready Player One (8 Bilder)

Details der Blu-ray

 

Der actiongeladene, extrem auf computergenerierte Spezialeffekte ausgelegte Film schlägt vollkommen bildgewaltig Zuhause ein - sogar so sehr, dass man sich in fast jeder Minute die Leinwand eines Kinosaals herbeiwünscht. Spielbergs Plan, die beiden Welten vor allem auch farbtechnisch deutlich zu differenzieren (aus diesem Grund filmte er die Real-Life-Szenen sogar auf altmodischem Film), geht voll auf und besticht mit kräftigen, leuchtenden Farben in der Animation und zur Atmosphäre der heruntergekommenen Welt passenden Grautönen im Gegenstück. Auch der Sound lässt keine Wünsche offen und reißt einen gleich zu Beginn im unfassbar geilen Autorennen ebenso mit wie die Optik - an den deutschen Synchronstimmen gibt es ebenso wenig auszusetzen.

 

Besonders hervorheben muss ich an dieser Stelle noch das Bonusmaterial, dessen Umfang ebenfalls in Richtung Spielfilmlänge geht. Sämtliche Fragen, die während des Films aufkommen (oder auch nicht), im Sinne von "Wie haben die das gemacht?", werden sehr detailliert erklärt. Wunderschön und spannend dokumentiert und zusammengeschnitten bekommen wir eine Einführung in die Buchvorlage, Anekdoten aus der Anfangszeit des Filmprojekts und etliche Dutzend Minuten Behind The Scenes-Material vom Dreh mit langen, interessanten Interview-Sequenzen von Spielberg, den Darstellern und anderen Beteiligten. Da ein Großteil des Films digital entstanden ist, bindet das Bonusmaterial auch sehr ausführlich die talentierten Firmen dahinter ein, deren Repräsentanten erklären, mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen hatten und deren Erzählungen von den Vorher- und Nachher-Bildern untermalt wird.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Nachdem mich The Greatest Showman dieses Jahr bereits völlig umgehauen hat ist Ready Player One neben Avengers - Infinity War nun das zweite Highlight, das auch noch lange Zeit in meiner Top-Liste bestehen bleiben wird. Zugegeben, die unschwer vorauszuahnende Handlung und der stereotypische Schurke tragen schon ziemlich die Handschrift von Spielberg, gleichermaßen hat die an One Piece erinnernde Schatzsuche (auch hier hat der berühmteste Mensch der Welt vor seinem Tod den wertvollsten Schatz aller Zeiten versteckt und die Menschen aufgefordert ihn zu finden) aber auch den spannenden und mitreißenden Abenteuercharakter seiner kultigen Klassiker. Jüngere Zuschauer werden ihre Freunde an den grandiosen Computereffekten haben, an der topaktuellen Einbindung von Virtual Reality und sicherlich an Gastauftritten von z.B. Minecraft, den wirklichen Mehrwert ziehen aber wahrscheinlich nur Zuschauer ab etwa meinem Alter (Baujahr 1990) und darüber heraus, die mit all den Filmen, Serien und Spielen aufgewachsen sind, auf die man hier anspielt oder die ganz offen im Vor- und Hintergrund auftauchen. Am liebsten würde man alle paar Minuten auf Standbild schalten und die virtuelle Menschenmenge nach bekannten Gesichtern durchsuchen und ich bin mir ganz sicher, dass man jedes Mal jemand Neuen entdecken würde. Mir zum Beispiel ist eine Last Action Hero-Anspielung entgangen, die angeblich vorkommt. Das Bonusmaterial der Blu-ray ist noch mal ein Schatz für sich und erklärt auf spannende Weise den kompletten Entstehungsprozess von Spielbergs wohl aufwändigstem Film (seiner eigenen Aussage nach, war es so, als hätte er vier Filme gedreht). Besser hätte man die Popkultur dieser ikonischen Jahrzehnte wohl nicht zusammenfassen können.


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